Intenet-Plattform
Schrebergarten der Teenager

„Whatcha gonna do with all them friends, all them friends that’s on your page“, rappt Michael Edwards, 17, aus San Diego: „I’m m-m-m- m-make them comment, make them comment on Myspace, Myspace!“ Es ist eine Hip-Hop-Ode an den virtuellen Ort, an dem der Schüler einen großen Teil seiner Freizeit verbringt: Myspace.

DÜSSELDORF. Die Intenet-Plattform Myspace ist innerhalb von zwei Jahren zum Tummelplatz von Teenagern aus aller Welt geworden, auch wenn der Schwerpunkt der Nutzer noch in den USA liegt. Und was machen die dort? Simpel gesprochen, halten sie sich kleine, eigene Online-Schrebergärten des schlechten Geschmacks, verzieren sie beliebig mit blinkenden Pünktchen, kitschigen Grafiken und Bildern von sich selbst. Der Reiz von Myspace: Hier können leicht Freunde gefunden werden, die Vorlieben und Interessen teilen – und das weltweit. Und weil auf Myspace ist, wer kommunizieren will, kann Denise aus der bayerischen Provinz ihr Englisch an Michael aus Seattle testen. „Myspace ist ein kulturelles Phänomen“, schreibt das Magazin „Newsweek“.

Social Networking heißt das in der Sprache des Online-Business. Der Erfolg von Myspace sorgte für eine Vielzahl von Nachahmern für andere Zielgruppen: So treffen sich Studenten bei Facebook und alte Schulfreunde bei My Yearbook.

Doch Myspace hat vor allem in der Musikbranche einen besonderen Platz errungen. Spätestens seit den „Arctic Monkeys“ ist der Pop-Industrie aufgegangen, dass diese Teenager-Plattform die Regeln ihres Geschäfts aushebeln kann. Die Gruppe aus Sheffield wurde allein durch kostenlose Weitergabe ihrer Songs und dem Schwärmen der Fans bei Myspace zum Phänomen. Als die Arctic Monkeys schließlich einen gut dotierten Plattenvertrag abschlossen, wurde ihr Album zum erfolgreichsten Debüt der britischen Musikgeschichte. Nun halten sich viele junge Musiker Myspace-Seiten und verlinken sich mit Fans – eine Kommunikation mit dem Künstler, wie es sie nie zuvor gegeben hat. So zählt „Secondhand Serenade“, eine kalifornische Band ohne Plattenvertrag, 110  000 Freunde auf ihrer Myspace-Seite und verkauft ihre Songs nur online.

Gegründet wurde Myspace im Juli 2003 von Tom Anderson, 30, und Chris DeWolfe, 40, Hobbymusiker und Mitarbeiter eines Internetunternehmens, die eine Möglichkeit suchten, ihre Band im Netz bekannt zu machen. Doch Myspace hat auch Schattenseiten. So gibt es immer wieder Meldungen über Pädophile, die das Angebot zur Kontaktanbahnung nutzen. Und: Viele der hundert Millionen registrierten Nutzer sind nicht mehr aktiv. Oder sie haben nie existiert: Gefälschte Profile finden sich in rauen Mengen. Und da ist die Geldfrage: Anderson und DeWolfe – beide stehen nach dem Verkauf von Myspace an die News Corp. von Rupert Murdoch im Jahr 2005 weiter an der Spitze des Unternehmens – haben sich lange Zeit zu wenig um die Frage der Refinanzierung gekümmert. Im Mai nahm Myspace gerade einmal 15,5 Millionen Dollar an Werbegeldern ein. Immerhin deutlich mehr als die 2,5 Millionen im April – aber viel zu wenig für ein Unternehmen mit 300 Mitarbeitern.

Doch Myspace steht nach Meinung von Murdoch erst ganz am Anfang. Die Übernahme des Teenager-Portals war ihm so wichtig, dass er selbst bei DeWolfe anrief – ohne Vorwarnung. „Ich musste erst einmal das Fenster aufmachen, um Luft zu holen“, erinnert sich der Myspace-Gründer. Nun ist seine Schöpfung Teil eines großen Plans. Die News Corp. wird ihre Online-Aktivitäten massiv ausbauen. Jüngst wurde die Online-Tochter Fox Interactive Media gegründet. Ihre Ausstattung: zwei Milliarden Dollar – für weitere Übernahmen.

Thomas Knüwer
Thomas Knüwer
Handelsblatt / Reporter
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