Interaktive Displays zeigen Höhepunkte der Spiele
Handy-TV soll zur WM den Durchbruch schaffen

Nach den Vorstellungen von Philips ist der klassische Fernseher in einem Jahrzehnt ein Auslaufmodell. Leon Husson, Vizepräsident Consumer Businesses bei Philips Semiconductors, rechnet damit, dass 50 Prozent aller Handys im Jahre 2013 mit einer TV-Funktion ausgestattet sein werden. Husson prognostiziert ein jährliches Marktvolumen von rund 600 Millionen Stück.

Die Hoffnungen der multimedialen Dienste-Anbieter hierzulande richten sich auf die Fußball-Weltmeisterschaft 2006. Pünktlich zum Anpfiff des ersten Spiels am 9. Juni in München soll die aufwendige technische Infrastruktur bereit stehen. Dann ließen sich Fußballspiele auf passenden kleinen Endgeräten wie dem Handy-TV live miterleben, so die Vision.

Der Clou: zur Live-Übertragung des Fußballspiels können parallel weitere Informationen und Services nach Wunsch abgerufen werden. Allerdings benötigen die Handys leistungsfähige Chips, um komplexe Darstellungen auch wirklich sichtbar zu machen.

"Möglich wird das Mehrwert-Handy-TV durch neue digitale Übertragungsstandards, die eine Konvergenz zwischen digitalem Rundfunk und Mobilfunk fördern. Dadurch eröffnen sich neue Kooperationsmodelle und Perspektiven für breitbandige Angebote und interaktive Datendienste auf mobilen Endgeräten", sagt Jean-Darius Deloud, Senior Consultant im Geschäftsbereich Telecommunications, Media und Utilities bei T-Systems.

Erstmalig in Europa will T-Systems auf der Cebit diese Technik live demonstrieren. Neben der Übertragung von Video-, Audiostreams und Datendiensten werden personalisierte Dienste und interaktive Anwendungen angeboten. Im so genannten Broadcast- und Multicast-Modus werden Fußballspiele und Zusatzdienste auf Mini-Computer (PDA) und spezielle fernsehfähige Handys übertragen. Über ein neu aufgesetztes Dialogportal können Cebit-Besucher in das Geschehen eingreifen, an einem Gewinnspiel teilnehmen oder weitere Services abrufen.

"Über die so genannte Mobile-Media-Distribution-Plattform können wir heute bereits unseren Kunden anbieten, digitale Rundfunk-Signale frei empfangbar zu übertragen oder verschlüsselt nur für Abonnenten hörbar und sichtbar zu machen. Über einen Rückkanal sind Zuhörer und Zuschauer mit ihrem Handy in der Lage, interaktiv weitere Informationen abzurufen", sagt Deloud.

Hintergrundinformationen zu den Spielen für Premiumkunden

So können Rundfunkveranstalter, Mobilfunkgesellschaften, Medienunternehmen, Sportartikelhersteller oder Sponsoren ihren Premiumkunden Hintergrundinformationen zum Spiel, interaktive Szenarien oder spezielle Downloads anbieten, skizziert Deloud das Kundenbindungs-Konzept. "In den Pausen können die Anbieter außerdem interaktive, kundenspezifische Angebote oder auch regionalspezifische Werbung zielgruppengerecht senden."

Erste Erfolge untermauern die praktische Realisierbarkeit des Handy-TV. Zugute kommt den Betreibern dabei vor allem die technische Marktreife der "Digital Broadcasting"-Technologie für mobile Endgeräte. Frequenzen für die in Hannover eingesetzte Technologie sind in ganz Europa schon heute verfügbar. Im Herbst vergangenen Jahres gelang es, in dem Berliner Modellprojekt "Mobile Convergence Media" (BMCO) Video-, Audio- und Datenströme auf mobile Endgeräte zu übertragen.

Es scheint also nur noch eine Frage der Zeit zu sein, bis entsprechende Angebote den Endkunden erreichen. Bis zur Weltmeisterschaft 2006 haben die Anbieter noch etwas Zeit, um die Gunst der Kunden zu gewinnen. Die Preisfrage dabei lautet: Wie viel Geld will der Kunde fürs mobile "Entertainment" tatsächlich ausgeben? BMCO-Geschäftsführer Claus Sattler schätzt diese Bereitschaft eher konservativ auf bis zu zehn Euro monatlich. Die Anbieter hoffen dagegen, dass die Fußballfans bereit sind, für die spektakulärsten Tore der WM-Spiele etwas tiefer in die Tasche zu greifen.

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