Internationale Funkausstellung
Analyse: Rickes Tarif-Pläne auf dem Bierdeckel

Mit einem Konzept in der Größe eines Bierdeckels will Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke seine Kritiker überzeugen. Auf einer kleinen Pappscheibe präsentierte der Telekom-Vorstand am Donnerstag auf der Internationalen Funkausstellung (IFA) in Berlin die neuen Bündelangebote des Unternehmens.

dpa BERLIN. Mit neun Paketen von Festnetz, Mobilfunk, Internet bis hin zu Fernsehen über das schnelle Vdsl-Netz will die Telekom der Schwäche im Deutschlandgeschäft entgegentreten. Hinter dem Tarifmodell verbirgt sich Rickes Lösung für die dringendsten Probleme des Telekom-Konzerns: Schlechter Service, hohe Preise und Kompetenzreibereien zwischen den Sparten T-Mobile und T-Com.

Der Vorstandsvorsitzende hatte die Schwachpunkte bereits bei seinem Amtsantritt vor vier Jahren erkannt und erste Maßnahmen eingeleitet. Doch auch nach der Straffung der Sparten arbeiten vor allem der Festnetz- und Mobilfunkbereich oft mehr gegen- als miteinander. Wichtige Trends wie ein gebündeltes Festnetz-Handy kamen erst mit deutlicher Verzögerung auf den Markt. Viele Kunden wenden daher der Telekom den Rücken zu und greifen zu innovativen Produkten der Konkurrenz. Mit den neuen Komplettangeboten soll das anders werden: Nun bietet die Telekom Festnetz und Handy-Telefonie im Paket an. Die beiden zuständigen Vorstände René Obermann (T-Mobile) und Walter Raizner (T-Com) demonstrieren bei der Präsentation im Beisein von Ricke Eintracht. "An einem Strang sollen sie ziehen", so Rickes Vorgabe.

Auch bei der Servicequalität sieht der Konzernchef Nachbesserungsbedarf. "Glauben Sie mir, wir haben viele Servicemitarbeiter und werden sie auch einsetzen", verspricht er. Reagiert hat der Branchenprimus auch beim Preis: Um bis zu 30 Prozent purzeln die Tarife mit den neuen Bündelangeboten. Die Marktforschungsgesellschaft Gartner begrüßt die Preisnachlässe. "Allerdings sind die Tarife immer noch zu unübersichtlich", sagt Gartner-Analyst Martin Gutberlet. Für die ausführliche Erklärung der neun Bündelangebote benötigt die Telekom sieben Seiten.

Trotz der Preisabschläge wolle der Bonner Konzern nicht der "billige Jakob" werden, betont Ricke. "Den Kampf um die Kunden werden wir in den Feldern Innovation und Service führen", sagt Ricke.

Helfen soll dabei das neue Hochgeschwindigkeitsnetz Vdsl, mit dem der Konzern die Grundlage für die Übertragung von Medieninhalten schafft. Von dem Einstieg in das neue Geschäftsfeld verspricht sich Ricke zusätzliche Einnahmen. Und die sind bitter notwendig, denn Europas größter Telekomkonzern verzeichnet auf dem Heimatmarkt einen deutlichen Kunden- und Ergebnisrückgang. Eine Million Festnetzkunden wechselten im ersten Halbjahr zur Konkurrenz.

Das Unternehmen musste daher bei Vorlage der Halbjahresbilanz am 10. August erneut die Prognose für das laufende Geschäftsjahr kürzen. Wie es dazu kam, wird auch Thema auf der Sitzung des Aufsichtsrates am Freitag und Samstag sein. Ricke will dem obersten Konzerngremium seine neue Strategie präsentieren. Vor dem Treffen zeigte er sich kämpferisch: "Ich freue mich auf die Aufsichtsratssitzung." Er habe einen gut vorbereiten Plan im Kopf. Um die Konzernaufseher zu überzeugen, wird Ricke mehr als ein Bierdeckel-Konzept benötigen.

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