Internationale Funkausstellung
Bis zur WM wird es für Handy-TV eng

Man kann sich kaum eine bessere Chance für die Einführung von Fernsehen auf dem Handy in Deutschland vorstellen als die Fußball-WM 2006 - doch ein rechtzeitiger Start ist ungewiss.

dpa BERLIN. Probleme sind überall: Die Sendelizenzen sind gerade erst ausgeschrieben, die Rechte-Fragen noch nicht geklärt, eine Sende-Infrastruktur müsste erst noch aufgebaut werden. Und zudem gibt es für das leistungsstärkere der beiden möglichen Formate - DVB-H - nur wenige freie Frequenzen.

"Alle Beteiligten - T-Systems, Landesmedienanstalten, Gerätehersteller - arbeiten mit Hochdruck", sagt T-Systems-Manager Bertold Heil, der bei der Telekom-Tochter den Bereich Strategie und Geschäftsentwicklung Media & Broadcast verantwortet. T-Systems plant die technische Infrastruktur, die Medienanstalten müssen für die Sendelizenzen sorgen, die Hersteller für ausreichend Geräte - es ist eine Angelegenheit mit viel Abstimmungsbedarf. T-Systems könnte jederzeit die notwendige Infrastruktur aufbauen, es gibt aber bislang keinen Auftraggeber.

Der technische Aufbau würde zunächst einen zweistelligen Millionenbetrag kosten, sagt Heil. "Die WM wäre ein tolles Argument, Handy-TV zu starten. Mann kann aber auch so ein Ereignis nicht zum Dreh- und Angelpunkt für Investitionen in dieser Größenordnung machen." Ziel für die WM ist vorerst der Empfang in Ballungsräumen um Spielstätten. Neben dem Handy-Empfang soll es aber auch WM-Dienste der Mobilfunk-Anbieter über UMTS geben.

Derzeit gibt es zwei von der Bildqualität gleichwertige technische Standards für Handy-TV. DVB-H (H für Handheld) hat eine höhere Bandbreite und könnte dadurch bis zu 20 TV- und mehr als 100 Rundfunkkanäle ausstrahlen. Bei dem aus Asien kommenden DMB (Digital Media Broadcast) wären es zwei bis drei Fernseh- und 18 Rundfunkkanäle. Allerdings sind für DMB noch viele Frequenzen frei, während es für DVB-H nach dem Start des digitalen terrestrischen Empfangs im Moment nur wenige in einzelnen Gebieten gibt, zum Beispiel Norddeutschland oder Berlin. Damit wird zur WM nach heutigem Stand eher eine DMB-Ausstrahlung wahrscheinlich, während DVB-H sich erst 2007 oder 2008 ausbreiten dürfte. Auf der IFA sind bereits viele Empfangsgeräte zu sehen, vor allem für DMB.

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