Internationale Funkausstellung
Computer drängen in die Wohnzimmer

Die Zeiten sind vorbei, in denen Firmen wie Philips, Sony und Loewe die gesamte Aufmerksamkeit auf der Internationalen Funkausstellung (IFA) in Berlin galt. Die seit Jahrzehnten bekannten Hersteller von Unterhaltungselektronik bekommen in diesem Jahr kräftig Konkurrenz aus der IT-Industrie. Weil die Margen in ihrem angestammten Feld bedrohlich dünn werden, drängen die Computerproduzenten und ihre Zulieferer ins Geschäft rund um den Fernseher.

BERLIN. "Der PC hält Einzug ins Wohnzimmer", sagt Bernd Bischoff, der Chef von Fujitsu Siemens Computers (FSC). Und nicht nur das: Zu den Rechnern gibt es die Fernsehapparate gleich dazu. Es gibt so gut wie keinen namhaften Computerbauer mehr, der nicht auch TV-Geräte im Programm hat.

Auf der IFA treten die Computerhersteller sehr selbstbewusst auf. "Als Computerproduzenten sind wir in bestimmten Bereichen wie der Kommunikation und der IT einfach besser als die klassischen Anbieter von Unterhaltungselektronik", sagt FSC-Chef Bischoff. Da diese Bereiche immer stärker mit der klassischen Unterhaltungselektronik verschmelzen, können die IT-Anbieter ihre Stärken voll ausspielen.

Ein Beispiel: Statt des Videorekorders stellen sich die Menschen immer öfter einen Multimedia-PC neben das Sofa. Damit können sie wie eh und je ihre Lieblingssendung aufnehmen. Zusätzlich können sie aber auch noch E-Mails auf dem Fernseher lesen und schreiben oder im Internet surfen. Dazu stehen allerlei Zusatzfunktionen zur Verfügung, etwa das Schneiden von Filmen. "Wir vereinen DVD-Rekorder und PC. Damit brauchen die Leute nur noch ein Gerät im Wohnzimmer, können aber unheimlich viel damit machen", sagt Bischoff.

Dass sich IT-Anbieter in die Unterhaltungselektronik wagen hat seinen Grund: Im Computergeschäft - vor allem bei Büro-PCs und Notebooks - tobt ein harter Preiskampf. Selbst Firmen wie Weltmarktführer Dell sind in den vergangenen Monaten schwer unter Druck geraten. Deshalb suchen sie händeringend neue Bereiche, in denen höhere Margen abfallen und die zusätzliche Umsätze einspielen. Zudem lasten sie mit den neuen Produkten die Werke besser aus. Luis Praxmarer, Chef des Münchener IT Experton Group-Beratungshauses bestätigt: "Die Produzenten brauchen Volumen in ihren Fabriken - und das liefert die Unterhaltungselektronik."

Selbst Halbleiterhersteller wie Intel und AMD sind auf der IFA präsent, obwohl sie ihre Chips gar nicht an Endkunden verkaufen. Weil ihre angestammten Felder in der IT-Branche kaum noch wachsen, steigen auch sie in die Unterhaltungselektronik ein. In Berlin zeigen sie den Konsumenten, was die neuen, hochgezüchteten Chips alles können.

Keiner der Computerbauer will sich allerdings voll und ganz der Unterhaltungselektronik verschreiben. "Es muss immer etwas mit dem PC zu tun haben," sagt Paul Bell, der Europachef von Dell. Im engen Bezug zum Rechner sieht Berater Praxmarer aber auch den größten Nachteil der Computerbauer. "Ein Fernseher muss auf Knopfdruck funktionieren. Abstürze wie beim PC dulden die Zuschauer nicht", sagt der Experte. Vom Komfort her seien die IT-Firmen längst nicht so weit wie die etablierten Anbieter von Unterhaltungselektronik. Die Computerindustrie ist sich dieses Nachteils bewusst. "In ein, zwei Jahren wird alles noch wesentlich einfacher zu bedienen sein als heute", verspricht aber FSC-Chef Bischoff.

Es gibt aber noch einen Grund, warum sich selbst kleine Firmen wie der fränkische TV-Geräte-Produzent Loewe bisher nicht vor den viel größeren Computerbauern verstecken müssen: "Die haben ein besseres Image", sagt Praxmarer.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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