Internationale Funkausstellung
HDTV noch kein ungetrübtes Erlebnis

Ein völlig neues Fernseherlebnis versprechen die Hersteller der hochauflösenden TV-Geräte. Bei seinem Rundgang über die Internationale Funkausstellung in Berlin hat sich auch Bundespräsident Horst Köhler am Montag von der Qualität der hochauflösenden Bilder überzeugen können. Insgesamt ist die schöne neue HDTV-Welt aber noch Jahre entfernt. Warentester warnen bereits vor einem übereilten Kauf.

HB BERLIN. Bis zu fünf Mal schärfer als herkömmliche Röhrengeräte sind die schlanken hochauflösenden LCD-Flachbildschirme. Auf der Ifa in Berlin lassen die Aussteller etwa Detailaufnahmen von Pfauengefieder laufen, um die Unterschiede zwischen herkömmlichem Fernsehen und HDTV (High Definition Television) zu demonstrieren. Auch dank der Fußball-Weltmeisterschaft sind TV-Geräte schließlich Umsatztreiber der Unterhaltungselektronik. Spätestens 2007 sollen mehr LCD- und Plasmafernseher verkauft werden als Röhrenapparate.

Den neuen Flachbildschirm-Apparat an den Kabel- oder Satellitenanschluss anzustöpseln, reicht allerdings nicht aus. Der Zuschauer braucht noch ein Zusatzgerät, eine so genannte SetTop-Box, um in den Genuss digitalen Fernsehens zu kommen. Zudem ist HDTV-Fernseher nicht gleich HDTV-Fernseher. Die Hersteller werben für ihre Apparate mit dem Logo "HD ready". Doch wer den Aufkleber verwenden darf, muss lediglich eine Mindestanforderung erfüllen. Die einfachsten HDTV-Geräte sind nur etwa halb so scharf wie die so genannten HD-Full-Fernseher.

Programme fehlen

Die verheißungsvolle Technologie allein schafft zudem noch keine schöne neue Fernsehwelt. So fehlt es vor allem noch an passenden Programmen. Damit die neue Technologie überhaupt zum Tragen kommt, muss auch das TV-Programm nach entsprechenden Standards ausgestrahlt werden. Bisher ist das Angebot hier zu Lande noch ziemlich dünn.

Auf der IFA zeigen die Aussteller entweder Filme von Speichermedien wie der DVD oder von ausländischen HD-Programmen wie dem des französischen Canal+. In Deutschland können bislang lediglich der Bezahlfernsehsender Premiere, Pro Sieben, Sat1 sowie Astra HD und Anixe HD HDTV-Programme anbieten. Weitere Angebote gibt es ausschließlich in ausländischen Sprachen und gegen zusätzliches Entgelt.

Durchbruch erst 2010 erwartet

Bis andere Anbieter nachziehen und ausreichend viele Sendungen und Übertragungen in hoher Auflösung produziert werden, werden noch Jahre vergehen. Erst 2010 werde sich der neue Standard flächendeckend durchgesetzt haben, prognostiziert Rainer Hecker, Aufsichtsratschef der Gesellschaft für Unterhaltungselektronik (gfu). Bis zu den Olympischen Spielen 2008 in Peking werden auch die öffentlich-rechtlichen Sender HD-Fernsehen anbieten, erwartet er.

Und die neue Technologie hat noch einen weiteren Haken: Das HD-Angebot lässt sich im Gegensatz zum herkömmlichen analogen Signal leicht verschlüsseln. Kritiker fürchten daher, dass künftig auch bisher werbefinanzierte Privatsender Gebühren für ihr Programm erheben werden. Dann schauen viele Kunden vielleicht doch lieber weiter in die Röhre.

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