Internet-Auktion
„Papst-Golf“ machte Zivi zum gefragten Mann

Vor einem Jahr sorgte er mit dem spektakulären Verkauf seines weltweit als „Papst-Golf“ bekannt gewordenen Gebrauchtwagens für Aufsehen. Benjamin Halbe lächelt, wenn er vom Geschäft seines Lebens erzählt.

dpa OLPE. „Aber ich bin auch froh, dass ich jetzt wieder Ruhe habe“, sagt der 22-jährige aus Olpe, der im Internet-Auktionshaus ebay seinen fünf Jahre alten Golf mit großem Medienrummel am 5. Mai vergangenen Jahres versteigert hatte.

Den Wagen hatte er einige Monate zuvor für knapp 10 000 Euro erstanden. Weil der zwischenzeitlich zum Pontifex gewählte Josef Kardinal Ratzinger als Vorbesitzer im Fahrzeugbrief stand, brachte der „himmlische Golf“ schließlich den Rekorderlös von fast 190 000 Euro. Käufer war ein amerikanisches Internet-Casino.

Sozusagen über Nacht wurde Halbes Auto zum Kultgegenstand und der damalige Zivildienstleistende selbst zum gefragten Mann. „Ich habe bestimmt mehr als 60 Interviews gegeben“, erinnert sich der sympathische junge Mann. Radiosender aus aller Welt versuchten ihn ans Telefon zu bekommen. „Das waren Sender aus England, Österreich, der Schweiz, aus Mexiko und anderen südamerikanischen Ländern“, sagt Halbe.

Dabei sei das ganze zuerst so etwas wie eine Schnapsidee gewesen. Nach der Wahl Ratzingers zum Papst sagten Freunde, er solle das „Papst-Mobil“ einfach mal anbieten. „Wenn du 2000 oder 3 000 Euro rausholst, kaufst du dir einen ähnlichen Wagen und dann geht's in den Urlaub“, hätten seine Freunde gesagt. „Das ist ja viel Geld für einen Zivi.“

In seiner Heimatstadt war Glückspilz Halbe natürlich in aller Munde. „Die Leute haben mit dem Finger auf mich gezeigt und getuschelt“, sagt er. Er habe an den Lippen ablesen können: „Benjamin Halbe, Papst-Golf, 190 000 Euro“, lächelt Halbe. Wer ihn persönlich ansprach, beglückwünschte ihn - meistens. „Es gab auch Neider, die sagten, dass ja nun klar sei, wer einen ausgibt.“ Auch mit Mails wurde Halbe überhäuft. „Mehr als 5 000 Mails waren das“, erzählt er. Die meisten freundlich, doch einige hätten auch verlangt, dass er das Geld der Kirche spendet.

Nachdem er das Auto übergeben hatte, kehrte langsam wieder der Alltag ein. „Ich habe mit zwei Freunden Urlaub auf Kreta gemacht“, sagt Halbe. Eine Woche, „mehr Zeit war nicht.“ Dann ging sein Zivildienst auf der Säuglingsstation des Krankenhauses in Olpe weiter. Mittlerweile arbeitet der gelernte Industriekaufmann wieder in seinem Beruf bei einem Olper Gastronomie-Getränkevertrieb.

Den Großteil des Geldes hat er angelegt. „Für die Zukunft“, sagt Halbe. Natürlich musste nach dem Papst-Golf-Deal ein neuer Wagen her. „Ich habe mir ein gebrauchtes Cabrio gegönnt.“ Doch das Auto habe zu viel Benzin verbraucht, weil er häufig zu seiner mehr als 200 Kilometer entfernt lebenden Freundin fährt. Nun fährt er wieder Golf.

Nach der Auktion hatte Halbe 10 000 Euro für gemeinnützige Zwecken gespendet, unter anderem dem Kinderhospiz „Balthasar“ in Olpe. „Die machen eine gute Arbeit für sterbende Kinder und ihre Familien“, sagt Halbe. Und alles werde aus Spenden finanziert. Er gründete mit weiteren 5 000 Euro die Stiftung „Hoffnungsschimmer“, mit der die ambulante und stationäre Sterbehilfe für Kinder unterstützt werden soll. „Es gibt Kinder, denen geht es so schlecht, dass man ihnen die letzten Wochen und Monate so angenehm wie möglich machen sollte“, sagt Halbe. „Wenn ich schon mal solches Glück gehabt habe, kann ich auch ein bisschen weitergeben und versuchen, Menschen dafür zu sensibilisieren.“

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