Internet
Conficker-Gau bleibt aus

Gestern war der große Tag, vor dem viele Sicherheitsexperten in den Medien gewarnt hatten. Der gefürchtete Computerwurm Conficker sollte zeigen, zu welch schrecklichen Dingen er fähig ist. Passiert ist nichts - zumindest nicht sichtbar. Die Panikmache und das Rückrudern gestern zeigen, wie hilflos die IT-Spezialisten inzwischen gegenüber der neuen Sorte von Schadsoftware agieren.

DÜSSELDORF. Seit Herbst 2008 treibt der neue Wurm mit dem Namen "Conficker" sein Unwesen. Inzwischen gibt es mehrere Mutationen dieses Internetmonsters, bis zu zehn Millionen Rechner sollen von ihm befallen sein. Die Bedrohungsszenarien, die Sicherheitsexperten in den letzten Tagen verbreiteten, reichten von massenhaftem Spam-Versand, dem Ausspähen oder Löschen von sensiblen Daten wie Passwörtern beim Online-Banking oder Anmelden an PCs bis zu einem Angriff auf die gesamte Infrastruktur des Internets.

"Die Panik war übertrieben, es war absehbar, dass nichts Auffälliges passieren wird", sagte Philippe Schaeffer, IT-Sicherheitsexperte beim Tüv Rheinland. Klar sei gewesen, dass Conficker in seiner neuesten Variante "C" am 1. April Daten nachladen werde. "Conficker B macht dies seit Monaten jeden Tag", so Schaeffer.

Conficker zählt zu den sogenannten Computerwürmern. Anders als herkömmliche Viren verbreiten sich Würmer selbsttätig weiter. Conficker nutzt dafür eine Sicherheitslücke in Microsoft Windows aus, über die er sich von Rechner zu Rechner kopiert. Seit Herbst vergangenen Jahres gibt es ein Sicherheits-Update, mit dem Computernutzer ihre PCs schützen können. Zudem stellen Hersteller von Antivirensoftware Programme zur Verfügung, die den Wurm aufspüren und vom PC entfernen.

"Keiner weiß, was die Autoren des Wurms wirklich wollen. Es gibt jede Menge Spekulationen, und das hält das Thema in den Medien", sagte Matthias Gärtner vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI). Ungewöhnlich sei, dass der Computer-Schädling überhaupt bekanntgeworden ist. Ziel der Programmierer sei es eigentlich, dass Würmer möglichst lange Zeit im Verborgenen aktiv sind und im besten Fall nie entdeckt werden.

Die virtuelle Welt des Internets sei weder sicherer noch unsicherer als die reale Welt, so die Einschätzung des BSI-Manns. "Wir verlagern immer mehr Prozesse ins Web, das zieht Kriminelle an, die sich die Vorteile des grenzüberschreitenden digitalen Netzes zunutze machen", sagte Gärtner.

Allerdings habe die Qualität der Schadprogramme zugenommen, sagte Tüv-Experte Schaeffer. "Die Virenschreiber sind professioneller geworden. Heute ist ein Wurm ein gut designtes Programm", so der Sicherheitsfachmann. Es scheine die Aufgabe von Conficker zu sein, sogenannte Botnetze aufzubauen. Diese können als verteilte Rechenpower genutzt werden, um beispielsweise Massen-E-Mails zu versenden.

Das Problem: Es entstehen immer neue Mutationen des Wurms, die von Virenscannern nicht erkannt werden. "Der Nutzer fühlt sich bei der neuen Bedrohung überfordert", glaubt Harald Summa, Geschäftsführer des Verbands der Deutschen Internetwirtschaft. Das ändere aber nichts an seinem Verhalten im Web. Daher sei mit einem negativen Einfluss auf die Geschäfte im Internet nicht zu rechnen.

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