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Das Online-Leben nach dem Tod

Für viele Menschen sind Online-Netzwerke zu einem unverzichtbaren Bestandteil ihres Lebens geworden. Doch mancher Netzwerker sorgt sich auch über den eigenen Tod hinaus um die eigene Online-Identität. Unternehmen helfen dabei, das Ableben im Internet zu regeln.

ap NEW YORK. Als Jerald Spangenberg zusammenbrach und mitten in einem Online-Rollenspiel starb, sah sich seine Tochter mit einer ungewöhnlichen Form der Trauerarbeit konfrontiert: Wie sollte seine Online-Community erfahren, dass ihr Vater tot war? Sein Passwort für „World of Warcraft“ hatte sie nicht, und auch der Herausgeber des Spiels konnte ihr nicht helfen. Melissa Allen Spangenberg schaffte es schließlich, in dem sie online nach der „Gilde“ suchte, der ihr Vater angehörte.

Eines der Gilde-Mitglieder, Chuck Pagoria, hörte dann drei Wochen später von Spangenbergs Tod. Dass er an jenem Abend plötzlich verschwunden war und nicht mehr reagiert hatte, führte er auf einen Online-Streit zurück. „Ich dachte, der brauchte etwas Zeit, um sich wieder zu beruhigen“, sagte Pagoria. „Ich war betroffen und wie umgehauen, als ich dann von seinem Tod hörte. Davon wusste niemand etwas.“

Für viele Menschen sind Online-Netzwerke zu einem unverzichtbaren Bestandteil ihres Lebens geworden. Doch mancher Netzwerker sorgt sich auch über den eigenen Tod hinaus um die eigene Online-Identität. Immer mehr hinterlegen inzwischen ganz detaillierte Anweisungen für den Todesfall. Einige kleine Unternehmen haben sich auch schon darauf spezialisiert, die Planungen für den Tod im Internet zu unterstützen.

Als Robert Bryants Vater im vergangenen Jahr starb, hierließ er seinem Sohn einen kleinen schwarzen USB-Stick. Darauf war eine Liste gespeichert mit allen wichtigen Telefonnummern und Adressen für den den Fall der Fälle, dazu gehörte auch der Administrator seiner Online-Community. „Das war schon etwas gruselig, weil ich all diesen Leuten sagen musste, dass mein Vater tot ist“, sagte Bryant. „Es hat mir aber auch geholfen, etliche Sachen zu klären, und so konnte ich dann auch meine Mutter mehr unterstützen.“

Der Neurologe David Eagleman hatte schon viele Möglichkeiten, sich mit dem Thema Tod zu befassen. Bei ihm in der Klinik landen jeden Tag Menschen, die fünf Minuten vorher nie damit gerechnet hätten. „Wenn man plötzlich stirbt oder ins Koma fällt, dann gibt es viele Dinge, die nur bei einem selbst im Kopf gespeichert sind, zum Beispiel wo Passwörter sind“, sagt Eagleman. Er richtete eine Website namens Deathswitch ein, wo Menschen eine E-Mail hinterlassen können, die automatisch versendet wird, wenn sie nicht in bestimmten Intervallen auf der Website vorbeisehen. Für 20 Dollar im Jahr werden bis zu 30 E-Mails mit Videofilmen gespeichert.

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