Internet
Google wirbt um Vertrauen

Mit "Google Apps" bietet der Internetkonzern Büro-Software für Unternehmen über das Internet an. Doch viele Firmen glauben, dass ihre Daten in dem Rechenzentrum von Google nicht sicher sind. Das Unternehmen müht sich, solche Zweifel zu zerstreuen. Juristen bleiben skeptisch.

MÜNCHEN. Einfach, sicher, billig: So wirbt der Internetkonzern Google um Firmenkunden. Für 40 Euro pro Jahr und Arbeitsplatz betreiben die Amerikaner die E-Mail-Systeme von Unternehmen, stellen Programme zur Textverarbeitung und Tabellenkalkulation übers Netz zur Verfügung, bieten Online-Kalender und viele weitere Anwendungen an. "Und das alles viel sicherer, als das die meisten Unternehmen selbst jemals leisten könnten", sagt Eran Feigenbaum, Director of Security, des Google Apps genannten Angebots.

Der Konzern aus dem Silicon Valley buhlt derzeit massiv um Firmenkunden für seine Dienstleistungen, die er übers Internet anbietet. Das Problem dabei: Viele Unternehmen glauben nicht, dass ihre Daten in den Rechenzentren von Google sicher sind. Solche Ängsten will der Anbieter zerstreuen: "Wir bauen unsere Rechner selbst und haben ein eigenes Betriebssystem", betont Feigenbaum. Damit sei Google viel weniger angreifbar von außen als die meisten Server von Firmen. Zudem erkenne sein Unternehmen viele Viren und Würmer lange bevor die darauf spezialisierten Anbieter reagierten. Noch etwas sei wichtig: Im Gegensatz zu vielen Betrieben sichere Google alle Daten in sogenannten Back-up-Rechenzentren und schütze sie damit gegen Verlust.

Juristen empfehlen potenziellen Kunden allerdings, Angebote wie die von Google eingehend zu prüfen. "Das datenschutzrechtlich ordentlich hinzubekommen ist schwierig", sagt Ulrich Baumgartner von der Kanzlei Osborne Clarke in München. Nach Ansicht des Rechtsanwalts müssen Unternehmen die Einwilligung der Mitarbeiter einholen, wenn sie die E-Mail-Systeme nach außen verlagern wollen. Zudem müsse sichergestellt sein, dass bestimmte Daten nicht ins außereuropäische Ausland gerieten. Dies kann Google nach eigenen Angaben garantieren.

Google ist nicht der einzige IT-Konzern, der momentan das sogenannte Cloud Computing forciert. Auch Microsoft, der größte Softwarekonzern der Welt, sowie andere bedeutende IT-Anbieter bieten ihre Programme und Dienstleistungen online an. Die Marktforscher von Gartner gehen davon aus, dass das Marktvolumen für internetbasierte Software von 6,6 Mrd. Dollar im Jahr 2008 auf 16 Mrd. Dollar 2013 wachsen wird. Allerdings verschärft sich der Wettbewerb, den bislang die IT-Dienstleister untereinander ausgefochten haben, durch neue Konkurrenten wie Google oder das Internet-Kaufhaus Amazon, das inzwischen nicht nur Bücher oder Filme verkauft, sondern auch Computerleistung.

Schon heute sind führende deutsche Konzerne mit Google im Geschäft und nutzen die Rechenzentren der Kalifornier, zum Beispiel um dort Daten zu speichern. Allerdings reden die IT-Chefs nur ungern öffentlich darüber, weil sie die Sicherheitsdiskussion fürchten. Zudem könnten die Mitarbeiter der IT-Abteilung Druck machen, da sie um ihre Jobs fürchten.

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