Internet in Afrika
Ein Kabel bringt Hoffnung

In Afrika ist der Weg ins Internet weit. Ein „digitaler Graben“ macht die Armen zu Außenseitern. Ein neues Glasfaser-Kabel entlang der afrikanischen Küste macht Hoffnung, auch wenn es noch nicht die Lösung aller Probleme bedeutet.
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HAMBURG. Das Foto auf dem Bildschirm ist halb so groß wie eine Briefmarke. Cathrin, 24, sieht die Nachrichten ihrer Facebook-Freunde durch, blickt auf und sagt trotzig: „Das Internet ist wie das ganze Land.“ Langsam, meint sie. Und unzuverlässig. Trotzdem ist das Handy-Display der jungen Kenianerin ihr Fenster zur Welt. Denn in den Entwicklungsländern ist ein Internetanschluss eine Seltenheit.

Die Entwicklungsforscher sprechen von einem „digitalen Graben“, der die reichen Länder von den armen trennt und damit die Bewohner dort zu Außenseitern der globalisierten Gesellschaft macht. Bis zum kommenden Jahr werden weltweit 1,5 Milliarden Menschen online sein, prophezeit der Verband Bitkom. Aber: Über siebzig Prozent von ihnen sitzen in den Ländern des Westens. Zwar holen China, Brasilien und jene Länder an der Schwelle zur Industrialisierung mit fast zehnprozentigen Zuwachsraten auf. Die armen Länder aber, vor allem Afrika, werden abgehängt. Für sie ist der Weg ins globale Dorf weit.

Eine Stunde braucht Cathrin, die in der kenianischen Provinz lebt, bis zum nächsten öffentlichen Internetcafé. Selten gehe sie dort hin, sagt sie. Über ihr Handy kann sie jedoch wenigstens Facebook und ihre E-Mail-Seite aufrufen. „Mehr geht nicht.“ Schon diese Seiten laden langsam, auf eBay oder Amazon war Cathrin noch nie. Dass einkaufen im Internet geht, hat sich zwar herumgesprochen. „Ich kenne aber niemanden, der das schon gemacht hat.“ In Kenia fehlt es dazu an allem, vom Internetanschluss über Geld bis hin zum Paketdienst.

Seit vergangenem Donnerstag aber ist Ostafrika ein Stück besser mit der Welt vernetzt. Ein Glasfaser-Kabel an der Küste entlang verbindet Kenia, Tansania, Mosambik und Südafrika mit den Leitungen Europas und Asiens. Damit soll das Internet für mehr Menschen zugänglich werden, schneller und günstiger.

Manche sehen im Internethandel, im globalen Netz mit den vielfältigen Möglichkeiten von Meinungsäußerung bis E-Learning, eine „Chance zur Überwindung der Armut“, wie die UN-Handelsorganisation UNCTAD bereits vor Jahren festgestellt hat. Der Zugang zum Internet und damit zu freier Information sei außerdem für ein funktionierendes Staatswesen unabdingbar, sagte UN-Generalsekretär Kofi Annan auf dem zweiten Weltgipfel zur Informationsgesellschaft in Tunis 2005. Und Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul bezeichnete an jener Konferenz den „digitalen Graben“ als „neue soziale Frage“. Verändert hat das bislang nicht viel.

Inzwischen aber setzen Konzerne wie der Chip-Hersteller Intel auf Entwicklungsländer und investieren dort in die Infrastruktur, denn sie sehen darin die Märkte von morgen.

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