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Kinder-Reporter im Internet

Alle Augen sind auf Christian Lukosch gerichtet. Der 14-Jährige steht im Redaktionsraum und blickt in die Runde. „Welche Themen liegen an?“, fragt er.

dpa OSNABRüCK. Alle Augen sind auf Christian Lukosch gerichtet. Der 14-Jährige steht im Redaktionsraum und blickt in die Runde. „Welche Themen liegen an?“, fragt er.

Pfeilschnell reißen einige Jugendliche einen Arm hoch und präsentieren wie aus der Pistole geschossen ihre Themenvorschläge: Artikel über die Kommunalwahlen, über die geheimen Gefängnisse des amerikanischen Geheimdienstes CIA oder über den neuen Kinofilm „Cars“. „Es ist unglaublich, was für klasse Ideen die Jugendlichen haben“, sagt Sören Gödde. Der 25- Jährige betreut die Osnabrücker Reporterkids im Haus der Jugend und hat mit ihnen vor drei Jahren eine Online-Zeitung gestartet.

Am Inhalt der Internetseite www.reporterkids.de haben seitdem 70 Kinder und Jugendliche im Alter von zehn bis 17 Jahren mitgewirkt. Sie haben Umfragen gemacht, Interviews geführt, Fotos geschossen und Berichte geschrieben. Die Projektbetreuer Sören Gödde und Rosa Jünemann greifen nur unterstützend ein - beim Layout oder bei der Themensuche. „Im Internet finden wir viele Themen für unsere Zeitung“, sagt die 17-Jährige Kerstin Assmann. Aber sie gibt zu, dass sie im Netz eigentlich lieber Chat-Räume betritt als Nachrichtenmagazine zu lesen.

Für Jugendforscher Professor Klaus Hurrelmann von der Universität Bielefeld ist das keine Überraschung. Nach seinen Angaben interessiert sich nur ein Viertel der Jugendlichen für Online- Nachrichtenseiten. „Unterhaltung steht für jugendliche Internetnutzer an erster Stelle“, sagt Hurrelmann. Mode, neue technische Trends und Musik - das sind Themen, nach denen Jugendliche im Internet suchen.

Zum Redaktionsteam der Reporterkids gehört auch Markus Wulf. „Journalist ist mein Traumberuf“, sagt der 16-Jährige. Seine Themenideen findet der Osnabrücker im Fernsehen - wie viele seiner jungen Kollegen. „Das Fernsehen wird von Jugendlichen immer noch am häufigsten genutzt“, stellt Hurrelmann fest. „Aber bei der jungen Generation ist der Tag nicht fern, dass das Internet vorne liegt.“ Durchschnittlich zwei Stunden lang sind Jugendliche nach seinen Angaben täglich online. „Das Internet ist das Medium der jungen Generation“, sagt Hurrelmann. Bis zu 20 Prozent der Jugendlichen sind nach seinen Angaben Vielnutzer, die vier oder mehr Stunden am Tag im Internet surfen.

Sich im Internet zurechtzufinden, ist für Henry Hogrebe ein Kinderspiel. Der 12-jährige Jungreporter hat den heiß begehrten Platz vor dem brandneuen Laptop, den die Reporterkids erst vor zwei Wochen erhalten haben. „Henry kann gut programmieren“, sagt Lödde. Einen Berufswunsch hat auch Henry schon: „Ich möchte irgendwas machen, was mit Computern zu tun hat.“

Wie Henry bringen auch die anderen Jungreporter ihre Stärken ins Redaktionsteam ein. Die 11-jährige Dorina Wolowitsch interviewt Menschen in der Fußgängerzone und das Duo Frank Assmann (15) und Gideon Heinecke (14) bewertet die neuesten Kinofilme.

Für ihr noch junges Alter sind die Nachwuchsjournalisten schon richtig auf Zack: Als sie beim Sommerfest der Niedersächsischen Landesvertretung im vergangenen Jahr in Berlin die heutige Kanzlerin Angela Merkel sahen, rannten sie gleich mit Mikrofonen zu ihr hin. Und Christian Lukosch stellte der CDU-Politikerin einige Fragen. „Ich war nervös“, sagt der Osnabrücker lächelnd. „Aber nur deshalb, weil die Sicherheitsleute mich während des Interviews immer so komisch angeschaut haben.“

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