Internet-Konzern
Deutsche Telekom will Strato kaufen

Die Deutsche Telekom will den Online-Speicherplatzanbieter Strato von Freenet kaufen. Das hat das Handelsblatt übereinstimmend aus Unternehmens- und Finanzkreisen erfahren. Freenet plant den Verkauf der Tochter und will sich stattdessen auf den Mobilfunk konzentrieren. Neben der Telekom zeigen auch United Internet und Finanzinvestoren Interesse.

FRANKFURT/DÜSSELDORF. Strato verwaltet Webseiten und bietet Speicherplatz im Internet an. Freenet hat die Tochter Anfang Juli zum Verkauf angeboten, weil es sich auf den Mobilfunk konzentrieren will. Den Kaufpreis von Strato taxieren Unternehmens- und Finanzkreise auf rund 300 Mio. Euro. Das Geschäft ist attraktiv, weil es unabhängig von der Konjunktur stetige Mittelzuflüsse garantiert. Zudem ist es ein Wachstumsmarkt: Die IT-Branche geht immer stärker dazu über, Anwendungen nicht mehr direkt in den Netzwerken ihrer Kunden zu installieren, sondern auf Abruf aus dem Netz anzubieten. Dazu benötigen die Unternehmen Speicherplatz.

Bis zum 2. September hat Freenet erste Kaufangebote eingesammelt, heißt es in der Investorenabteilung. Nun ist das Hamburger Unternehmen dabei, eine Short List mit Bietern zu erstellen, die in die Bücher gucken dürfen.

Neben der Deutschen Telekom interessieren sich auch der DSL-Anbieter United Internet (UI), ein britischer DSL-Anbieter sowie zwei Finanzinvestoren für Strato. UI hatte Ende Mai schon die Internetkunden von Freenet übernommen und ist damit zum zweitgrößten DSL-Anbieter Deutschlands hinter der Telekom aufgestiegen.

Gründer und Unternehmenschef Ralph Dommermuth hat mehrfach sein Interesse an Strato bekundet. Er hat jüngst die direkt an Freenet gehaltenen Anteile verkauft, nach Ansicht von Analysten ein Schritt, um Mittel für einen möglichen Strato-Kauf vorzuhalten.

Experten fürchten jedoch, dass der Internetdienstleister bei einem Kauf von Strato kartellrechtliche Probleme bekommen könnte. UI ist bereits europäischer Marktführer für Speicherplatz im Internet. Zusammen mit Strato würden sie 80 Prozent des Marktes abdecken.

Freenet würde mit einem Verkauf für rund 300 Mio. Euro einen üppigen Gewinn erzielen. Die Hamburger haben Strato 2004 für 132 Mio. Euro gekauft. Heute hat Strato 1,3 Mio. Kunden in Europa. Für sie speichert der Dienstleister rund vier Mio. Webseiten. Strato beschäftigt 500 Mitarbeiter und ist in seinem Segment die Nummer zwei in Europa hinter der Marke 1&1, die zu United Internet gehört.

Das Speichern von Webseiten gilt als profitables Geschäft. Strato erzielt eine Rendite von etwa 35 Prozent. Nicht zuletzt deshalb interessieren sich neben der Telekom und UI auch die beiden Finanzinvestoren General Atlantic und Apax für Strato, heißt es in Bankenkreisen. Keiner der genannten Interessenten wollte sich zu dem Thema äußern.

Bei der Telekom hat Unternehmenskreisen zufolge die Festnetzsparte T-Home ein Auge auf Strato geworfen. Dorthin wurden im vergangenen Jahr die Mittelstandskunden der Geschäftskundentochter T-Systems verlagert. Die bietet zwar ebenfalls Dienstleistungen über eine gesicherte Internetverbindung an, bedient aber nur noch Großkunden. Strato dagegen besitzt vor allem mittelständische und kleinere Kunden. Die Telekom hat derzeit einen Marktanteil von knapp 20 Prozent im Hosting-Geschäft, will dort aber weiter wachsen. Am Montag gab die Geschäftskundentochter T-Systems bekannt, dass sie rund 90 Hosting-Kunden von SAP übernimmt und ihnen künftig SAP-Dienste auf Abruf anbietet.

Wie das Handelsblatt berichtete, hat sich der Telekom-Aufsichtsrat in einer Strategiesitzung Ende August dafür ausgesprochen, viel Geld in die Aufrüstung der eigenen Netze zu investieren. Für größere Akquisitionen bleibt deshalb vorerst kein Spielraum. Kleinere Gelegenheiten wie Strato will der Konzern aber wahrnehmen.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
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Handelsblatt / Chefkorrespondent Finanzmärkte
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