Internet-Macht
David gegen die Goliaths

Wie verrückt ist es, gegen die geballte Internet-Macht von Google, Yahoo, AOL und Microsoft zugleich anzutreten? Ziemlich. Dennoch wagen immer wieder ehrgeizige Gründer das Abenteuer, oft mit Erfolg. Gerade machen junge Unternehmen wie Pageflakes, Netvibes, Protopages, Bubbletop und Goowy Media den etablierten Branchenriesen ein Geschäft streitig.
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Das Geschäft schien fest in ihrer Hand zu liegen: die Möglichkeit, die Startseite viel besuchter Adressen an die persönlichen Bedürfnisse anzupassen.

Yahoo und Excite machten die Idee im World Wide Web 1996 populär. Die lokale Wettervorhersage, Zugauskunft, Horoskope oder Nachrichten – jeder kann sich seither Startseiten im Internet mit wenigen Klicks nach eigenem Gusto zusammenstellen. Die Anbieter halten den Baukasten dafür bereit. Excite hat die Anfänge allerdings nicht überlebt. Dafür betrat mit Google im Mai 2005 ein neuer Gigant die Szene. Die Überlegung des Suchmaschinenbetreibers: Je persönlicher der Nutzer die Homepage von Google gestalten kann, umso länger verweilt er dort, ehe er zu anderen Angeboten weiterklickt. Zudem verrät die Gestaltung dem Unternehmen eine Menge Details über seine Vorlieben. Die interessieren auch Googles Anzeigenkunden, die auf diesem Weg ein genaueres Profil der Nutzer erhalten. Ähnlich kalkuliert Yahoo, das das Feld mit über 50 Millionen personalisierter Web-Seiten anführt, gefolgt von AOL, Microsoft und Google.

Was die vier Internet-Riesen an Gestaltungsmöglichkeiten bieten, ist allerdings ziemlich beschränkt und wenig fantasievoll. In dieser Lücke suchen die Neueinstieger ihre Chance.Sie spielen auf der gesamten Klaviatur, die das Internet heute bietet. So kann der Nutzer Nachrichtenströme aus verschiedensten Quellen thematisch sortiert und gewichtet zu einer Art Ticker bündeln. Er kann soziale und berufliche Netze einbinden und die Seite wie ein persönliches Tagebuch führen, das Interessierte kommentieren und ergänzen. Videobeiträge sind schon fast ein Muss.

Die kreativsten Köpfe haben europäische Wurzeln. Page-flakes zum Beispiel ist die Idee des deutschen Internet-Unternehmers Christoph Janz. Hinter dessen härtestem Konkurrenten Netvibes steckt der Ex-Journalist Tariq Krim. Ihre Angebote beruhen nicht auf standardisierten Bausteinen, sie lassen die Freiheit, so ziemlich jeden Internet-Inhalt einzubinden. Pageflakes bietet an, dass man seine personalisierten Web-Seiten publizieren und so allen Internet-Nutzern zugänglich machen kann – beispielsweise solche mit allen Informationen zu seiner Lieblingsband, Fußballelf oder Aktie.

Pageflakes, 2006 in Deutschland gegründet und vom Risikokapitalgeber Benchmark Capital finanziert, hat seinen Sitz inzwischen nach San Francisco verlegt, in ein kleines Büro direkt in der Innenstadt. Das Unternehmen beschäftigt 25 Mitarbeiter, davon elf in den USA. Das Gros der Entwickler sitzt in Malaysia.

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