Internet-Musikservice
Napster nun auch in Deutschland reanimiert

Der Online-Musikhändler Napster hat sein Angebot nun auch für Internet-Nutzer in Deutschland freigeschaltet. Von diesem Freitag an können Kunden für 9,95 Euro pro Monat ohne Zeitlimit mit ihrem Computer auf 1,5 Millionen Musiktitel zugreifen. Die Sache mit der "Musik-Flatrate" hat jedoch einen Haken: gebrannt werden darf nicht.

HB FRANKFURT. Innerhalb von zwölf Monaten will sich das US-Unternehmen als Nummer Zwei am deutschen Markt hinter der Online-Plattform der Deutsche-Telekom-Tochter T-Online, Musicload, etablieren. „Wir werden sehr ambitioniert starten“, sagte Thorsten Schliesche, der Geschäftsführer von Napster Deutschland am Donnerstag auf einer Pressekonferenz. Napster wolle in die Riege der großen drei Anbieter Musicload, iTunes von Apple und AOL einbrechen. „Wir werden in Deutschland einen der größten Musikkataloge der Welt anbieten können mit über 1,5 Mill. Titeln“, ergänzte Schliesche, der von T-Online zu Napster kam und dort unter anderem zwei Jahre lang Musicload verantwortete. Durch zahlreiche Partnerschaften könne Napster jedes Musikgenre abdecken.

Zu Umsatz- und Gewinnzielen wollte sich der Manager nicht äußern. Er sagte, das Potenzial für Napster sei groß. Der Markt für digitale Musik wachse stark und werde nach Einschätzung von Experten künftig vermehrt über Abonnements laufen, mit denen größere Gewinnmargen zu erzielen seien, als mit dem reinen Download-Geschäft. Napster biete als erstes Unternehmen in Deutschland neben dem klassischen Herunterladen von Titeln ein Abonnement in Form einer Musik-Flatrate an. Experten schätzten, dass der Umsatz mit digitaler Musik bis 2009 auf über 160 von zwölf Mill. Euro 2004 wachsen wird, wobei der Anteil von Abo-Modellen auf über 40 Prozent von derzeit Null steigen soll.

Mit der Flatrate erhalte der Kunde für 9,95 Euro Zugriff auf den gesamten Musikkatalog zum Anhören und Herunterladen auf bis zu drei Computer, sagte Schliesche. Für 14,95 Euro könnten zusätzlich bis zu zwei mobile Abspielgeräte bestückt werden. Für jede heruntergeladene Datei gebe es eine Lizenz, die nach 30 Tagen auslaufe, aber automatisch verlängert werde, so lange der Nutzer Abonnement bei Napster sei. Dafür musse der Kunde einmal im Monat online gehen und auch sein digitales Abspielgerät mit den Daten auf dem Computer synchronisieren. Um die dazu notwendigen Lizenzen zu verwalten, wird auf dem Computer ein Programm installiert. Zudem müssen tragbare MP3-Geräte zu dem von Microsoft verbreiteten DRM-10- Standard kompatibel sein. Die verbreiteten ipods von Apple gehören nicht dazu, da der US-Hersteller ein eigenes Lizenz-Konzept verwendet.

Gebrannt werden könnten die Titel aus dem Abonnement nicht, schränkte Schliesche ein. Dafür biete Napster den klassischen Download-Service an. Einzelne Titel könnten für je 99 Cent oder ganze Alben ab 9,95 Euro heruntergeladen und auf CD gebrannt oder auf Abspielgeräte geladen werden. Der Kunde rechnet seine Kosten über das Internet ab. Zusätzlich verkaufe Napster Deutschland auch Guthabenkarten in Supermärkten und sei damit auch für Kunden interessant, die ihre Zahlungsdaten nicht im Internet hinterlegen könnten. Integriert wird Napster auch in den Internet-Auftritt des Fernsehsenders Sat1.

Napster war Ende der 90er Jahre als illegale Musiktauschbörse gestartet, nach juristischem Streit geschlossen und dann von der Musikindustrie übernommen worden. Inzwischen ist das Unternehmen eine Aktiengesellschaft, die sich nach eigenen Angaben überwiegend im Streubesitz befindet. Weltweit hat Napster rund 180 Mitarbeiter, davon zehn in Deutschland.

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