Internet-Netzwerk
Xing öffnet sich fremden Programmen

Das börsennotierte Online-Kontaktnetz Xing plant einen mutigen Schritt: Es will seine Plattform fremden Programmierern öffnen. Das sagte Xing-Vorstandschef Lars Hinrichs dem Handelsblatt. Damit würden die Hamburger, die unter dem Namen Open BC bekannt wurden, dem Modell des amerikanischen Social Network Facebook folgen.

HB DÜSSELDORF. Bei Facebook können externe Programmierer bereits neue Funktionen für die Nutzer entwerfen. Facebook-Mitglieder können so ihr Profil mit einem Klick um Video- und Audio-Inhalte erweitern, Nachrichten oder Börsenkurse anzeigen, aber auch Kleinanzeigen, die sie auf anderen Online-Angeboten geschaltet haben. Die Programmierer dieser neuen Funktionen haben alle Freiheiten, ihre Schöpfungen zu vermarkten: Facebook verlangt keine Abgaben oder Beteiligungen.

Der amerikanische Medienberater Jeff Jarvis hält diese Öffnung für einen „Geniestreich“: „Mein 15-jähriger Sohn Jake hat schon eine Hand voll Applikationen für Facebook programmiert. Und er hat einige Kapitalgeber und Unternehmen, die ihn für die Sommerferien engagiert haben, um weitere Programme zu schreiben. Wir werden eine Explosion an neuen Anwendungen für Facebook sehen.“ Jarvis sieht das Unternehmen auf dem Weg zur Plattform: „Google ist die Plattform für Suche und Werbung. Facebook will das Google der Menschen werden.“ Und derzeit strömen diese in das Netzwerk: Facebook zählt über 30 Mill. Mitglieder, jeden Tag kommen 150 000 neue hinzu. Allein im Mai stieg die Zahl der täglichen Besucher auf der Seite um 89 Prozent.

Xing will seinen über zwei Mill. Kunden nun ebenfalls Zusatzfunktionen bieten: „Wir arbeiten bereits seit März daran, Xing über die XML-basierte Schnittstelle für externe Entwickler und Anwendungen zu öffnen“, sagt Hinrichs: „Technisch ist das überhaupt kein Problem. Allerdings sind bestimmte Sachen, die Facebook in Amerika anbietet, aus Datenschutzgründen in Deutschland schwierig. Wir müssen genauer trennen zwischen dem, was wir wollen und dem, was wir rechtlich dürfen.“

Beschlossene Sache ist, dass eine andere Funktion von Facebook bald umgesetzt wird: Ein Nutzer sieht dann auf den ersten Blick, wenn sich Daten von Kontakten ändern oder seine Bekannten neue Freundschaften schließen. Hinrichs: „Analog Facebook können wir das heute schon abbilden und werden diesen Service in wenigen Tagen anbieten.“

Xing erwartet in diesem Jahr einen Umsatz von über 20 Mill. Euro bei einem Ebitda von über sechs Mill. Der Aktienkurs der Hamburger stieg seit Jahresbeginn von 30 auf rund 48 Euro.

Thomas Knüwer
Thomas Knüwer
Handelsblatt / Reporter
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