Internet-Sicherheit
Die Virenjäger schieben Nachtschicht

Hackercode wird immer häufiger von professionellen Computergangstern geschrieben. Das macht den Virenjägern zu schaffen.

DÜSSELDORF. Im Entwicklungslabor von F-Secure in Helsinki ist seit kurzem Schichtbetrieb angesagt. Die Antivirentechniker rackern rund um die Uhr. "Die Zahl der Codes, die wir analysieren müssen, wächst rasant, und auch der Schwierigkeitsgrad steigt enorm an", sagt Mikko Hyppönen, Chef der Research-Abteilung der finnischen Sicherheitssoftware-Firma. Der Trend zur Professionalisierung in der Hackerszene macht den Virenjägern zu schaffen. Immer häufiger versuchen professionelle Verbrecher, mit Hilfe von Computerviren und Trojanern Informationen zu stehlen oder die Computer ahnungsloser Internetsurfer unter ihre Kontrolle zu bekommen. "Das Virenschreiben hat sich kommerzialisiert, die Umsätze gehen in die Milliarden", sagt Raimund Genes, Europachef des Sicherheitssoftware-Unternehmens Trend Micro in München.

Wollten früher oft erlebnishungrige Jugendliche mit selbstgebastelten Viren oder Kapersoftware ihre technischen Grenzen ausloten, stecken heute gestandene Programmierexperten hinter den Hackercodes, die sie im Auftrag professioneller Krimineller verfassen. Die Tricks werden immer perfider, die Angriffe zielgerichteter: "Designer-Malware" ist im Kommen. Computerschädlinge werden je nach anvisiertem Opfer regelrecht maßgeschneidert - und oft mit persönlicher Anrede oder der Absendeadresse eines Kollegen, Chefs oder guten Freundes gezielt an wenige Personen verschickt. Mal sind es elektronische Grußkarten oder per E-Mail versandte Rechnungen, die vermeintlich von Ikea, Ebay oder etwa der Deutschen Telekom stammen.

Klickt der Betroffene eine bestimmte Datei an, können sich die Trojaner-Programme der Cyberkriminellen tief in den Systemen der infizierten Rechner vergraben. Ob dann mit ferngesteuerten Programmen Bankverbindungsdaten ausgelesen und Konten geleert oder Computer heimlich für den Versand von Spam-Mails missbraucht werden, ist nur eine Frage des Geschäftsmodells der neuen Cyberkriminellen.

Softwareviren, die automatisch mutieren, lassen immer wieder Abwehrprodukte ins Leere laufen. Die Anti-Viren-Arbeiter benötigen immer mehr Rechenleistung, um zentral Informationen über die individuell programmierten Viren zu sammeln und digitales Gegengift bereit zu stellen.

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