Interview
„In jedem Videospiel ist Kultur“

Sie kritisieren, dass die Abneigung gegen Videospiele Deutschland international ins Abseits stellt. Nimmt sich die Branche nicht etwas zu ernst?

Warum? Wenn wir uns Deutschland anschauen, stellt man fest, dass wir im 19. Jahrhundert kulturell weltweit führend waren. Im 20. Jahrhundert haben Amerikaner, Engländer und Franzosen die Film- und TV-Kultur beherrscht. Jetzt sind wir im 21. Jahrhundert, Internet und digitale Unterhaltung sind ein wichtiger Teil der Alltagskultur – und wieder sind wir nicht vorne mit dabei.

Videospiele als Kulturgut, so wie Theater und Literatur?

In jedem Spiel ist Kultur. Videospiele sind hochkomplex. Das zu beherrschen ist schwerer, als ein Buch zu lesen.

Wie bitte?

Stellen wir uns vor, Videospiele gäbe es seit hundert Jahren und Bücher kämen neu heraus. Die würden doch von der Kritik verrissen. Vereinsamte Kinder, die stumm stundenlang durch eng bedruckte Seiten blättern. Unser Problem: Wer heute den Kulturbetrieb dominiert, ist über 40 – wer digitale Unterhaltung liebt, ist unter 40.

Viele Menschen haben kaum Zeit, sich in komplizierte Spiele einzuarbeiten...

Aller Anfang ist schwer. Viele Schüler sitzen Stunden vor einem Spiel, lösen Aufgaben und geben trotz hoher Hürden nicht auf.

Leipzig hat London aus dem Stand als wichtigste europäische Messestadt für digitale Unterhaltung abgelöst. Ist das die Trendwende in Deutschland?

Es ist eine Chance für uns, wieder ganz nach vorne zu kommen. Man muss sich die Besucher mal anschauen, die da hingehen. Das sind doch keine Zombies – das sind normale junge Menschen.

Electronic Arts (EA) setzt weltweit über 3 Mrd. Dollar mit Spielen um. Schaffen Sie Arbeitsplätze in Deutschland?

1996, als ich anfing, hatten wir hier knapp 40 Mitarbeiter. Heute mehr als 130.

Aber die Spiele kommen aus USA, England und Japan.

Wo gibt es hier gute Leute? Spieleprogrammierung ist komplex. Das muss man lernen.

Also eine bessere Ausbildung?

Ja, und mehr gesellschaftliche Anerkennung. Ein Informatiker, der Spiele programmiert, wird komisch angeschaut. Fängt er bei SAP an, hat er Karriere gemacht.

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