Interview mit Web.de-Vorstand Hornberger
Web.de wandelt auf Googles Spuren

Das Online-Portal Web.de hat vor rund zwei Wochen (am 29.9.) seinen Internet-Auftritt neu gestaltet. Die Einstiegsseite wurde stark verschlankt und ist nun schneller aufrufbar. Der E-Mail-Dienst Freemail wurde überarbeitet und die Suchmaschine nach Vorbild von Google.de angepasst. Eine rechteckige Anzeige (Rectangle) rückt stärker in den Vordergrund. Handelsblatt.com sprach mit Web.de-Entwicklungsvorstand Matthias Hornberger über die Erfahrungen mit der neuen Seite, die Konkurrenz zu Google und darüber, wie Online-Werbung erfolgreich sein kann.

Frage: Herr Hornberger, wie wurde der neu gestaltete Auftritt von Web.de von Ihren Nutzern angenommen? Gab es Beschwerden?

Hornberger: Wir haben uneingeschränkt positive Erfahrungen gemacht. Auch, wenn unsere Besucher natürlich erst überrascht waren. Sie haben sich aber schnell wieder zurechtgefunden.

Frage: Hat sich die verschlankte Einstiegsseite auf die Anzahl der Seitenaufrufe ausgewirkt?

Hornberger: Nein, der Effekt wird mittelfristig positiv wirken. Wir verzeichnen weiter eine kontinuierliche Entwicklung bei den Seitenabrufen. Reichweiten- und erlösbringende Tools stehen natürlich weiter ganz vorn in unserem Angebot auf der Homepage.

Frage: Es gab also keinen Bedarf, anschließend etwas zu überarbeiten?

Hornberger: Doch, natürlich. Es gibt immer Kleinigkeiten. Bei einigen Freemail-Nutzern traten doppelte Scrollbalken auf. Das haben wir nachjustiert. Auch einige Navigationselemente in unserem Clubangebot haben wir noch einmal geändert. Ab heute können die Clubnutzer auch die Farbe der Navigationselemente bestimmen.

Frage: Mit 20 Mill. Postfächern ist Web.de in Deutschland hinter T-Online zweitgrößter Anbieter von E-Mail-Diensten. Ihr Konkurrent Google will künftig mit "Gmail" auch einen E-Mail-Dienst anbieten.

Hornberger: Außer Ankündigungen und einer US-Beta-Version haben wir da bislang wenig gesehen. Wir sind auf den Wettbewerb mit Gmail gut vorbereitet und haben bereits eine Reihe von neuen Funktionalitäten eingebaut. E-Mail ist heute vor allem eine Frage von Vertrauen und Datenschutz. Wenn Google mit dem Dienst kommt, werden wir noch ein paar Briketts auf unser Angebot drauflegen. In Punkto Leistungsfähigkeit wird es Google sehr schwer haben in den deutschen Markt einzudringen.

Frage: Sie haben sich bei der Suchfunktion auf Ihrer Einstiegsseite aber stark an den Marktführer angenähert. Warum?

Hornberger: Google hat im Netz einen Standard gesetzt. Wenn Sie andere Suchmaschinen vergleichen: Alle haben die Google-Optik inzwischen umgesetzt.

Frage: Google hat mit News.Google erfolgreich eine Nachrichtensuche in die Startseite integriert, das fehlt bei Ihnen noch...

Hornberger: ...ja, das ist richtig, wir arbeiten auch an verschiedenen Suchthemen und denken über verschiedene News-Darstellungen nach. Auf jeden Fall steht die Newssuche ganz oben auf unserer Liste. Unsere Prioritäten lagen aber bei dem neuen Angebot erst einmal auf anderen Gebieten. So haben wir ein Anzeigenformat auf der Homepage eingefügt, das von den Besuchern nicht als Belästigung empfunden wird.

Frage: Was versprechen Sie sich davon?

Hornberger: Wir haben deutlich höhere Werbewerte und zudem zweistellig höheren Klickraten auf diesen Anzeigeformen. Mit dem Format können auch Kinotrailer oder reine Image-Filme dargestellt werden. Die Werbetreibenden stellen fest, dass Werbung in klassischen Medien tendentiell schlechter funktioniert. Vor allem bei Fernseh-Werbung gibt es eine gewisse Sättigung. Wir hoffen, dass der Online-Werbemarkt - damit auch Web.de - davon stark profitiert. Das Werbebudget für den BMW-1-er wurde übrigens zu 40 Prozent für Internet-Anzeigen ausgegeben.

Frage: Können Sie den Erfolg Ihrer neuen Anzeigenformate beziffern?

Hornberger: Dafür ist es noch zu früh. Wir erwarten, dass der Effekt sich deutlich positiv auswirken wird. Jetzt gehen wir erst einmal mit einer breiten Kampagne auf die Werbetreibenden und Agenturen zu und stellen unsere neuen Möglichkeiten vor.

Matthias Hornberger, geboren 1960, ist als Vorstandsmitglied verantwortlich für die Unternehmensentwicklung und Investor Relations. Von 1989 bis 1995 arbeitete Hornberger bei der Dresdner Bank. 1995 wechselte er zum Bankhaus Sal. Oppenheim und arbeitete im Bereich Beteiligungsgeschäft und Börsengänge. Seit 2000 ist Hornberger im Vorstand von web.de.

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