Interview
Schlechte Englischkenntnisse machen IT-Outsourcing teurer

Weltweit setzen immer mehr Automobilhersteller und -zulieferer auf IT-Outsourcing, vor allem auch an indische Unternehmen (Offshore-Outsourcing). Im Gegensatz zu US-amerikanischen Herstellern gibt es in Deutschland allerdings ein Problem: Die Sprachbarriere zwischen Ingenieuren und ausländischen Programmierern. Handelsblatt.com sprach mit Elmar Paul Selbach von HCL Technologies über aktuelle Trends im IT-Outsourcing, darüber, wie ein Offshore-Projekt durchgeführt wird und welche Probleme dabei gelöst werden müssen.
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Frage: In welchen Fällen vergeben heutzutage Autofirmen IT-Aufträge überwiegend extern?

Selbach: Das kommt häufig bei neuen Entwicklungsprojekten vor: beispielsweise in der Elektronik und bei Steuerungssoftware. Aber auch wenn veraltete Systeme betreut und überarbeitet werden, braucht man mittlerweile indische Entwickler. Besonders dann, wenn Know-how in Indien, nicht aber mehr in Europa verfügbar ist. Das ist bei alten Großrechnern der Fall, die ausgetauscht werden sollen. Hier fehlt es an einer ausreichend großen Zahl von Entwicklern. In Indien gibt es günstige und eine extrem große Zahl von Software-Entwicklern.

Frage: Warum gibt es diesen Engpass? Liegt das daran, dass die Auto-Hersteller eine immer größere Modellvielfalt anbieten?

Selbach: Zum Teil liegt das an der zunehmenden Komplexität der Software in Autos und damit verbundener Qualitätsprobleme, die in Europa entwickelte Autos haben. Ein Grund dafür ist, dass die Elektronik in Einzelkomponenten durchaus gut getestet wird, nicht aber deren Zusammenspiel. Besonders die Deutschen haben da Nachholbedarf und lernen gerade, vernetzte Systeme vernünftig zu kombinieren - vor allem im Zusammenspiel mit alter Software.

Frage: Wie wird veraltete Software ersetzt?

Selbach: Es gibt bei einigen Unternehmen Systeme, die seit Jahrzehnten stabil laufen, aber den kompletten Fertigungsprozess gefährden, wenn die mal ausfallen. Programmieren kann diese niemand mehr, denn die meisten Leute, die die Computer einst eingerichtet und angepasst haben, sind schon im Ruhestand. Manchmal werden sogar Pensionäre zurückgeholt, um bei Problemen Hilfestellung zu geben. Wenn sich aber die Software-Hersteller weigern, die Lizenz zu verlängern, muss neu programmiert werden.

Frage: Wie läuft das dann in der Praxis ab?

Selbach: Zunächst werden die Prozesse am Fließband dokumentiert und dann wird programmiert. Zum Teil ist das aufwändig, wenn in fast allen Fertigungseinheiten verteilt alte Rechner herumstehen.Viele indische Programmierer kennen sich noch mit der Uraltsoftware aus. Wir lassen Entwickler zum Beispiel bei Automobilzulieferern auch von indischen Mitarbeitern trainieren. Meistens werden Outsourcing-Anbieter zu ganz bestimmten Einzelprojekten gerufen.

Frage: Ist es dann schwierig für den Programmierer, sich in die speziellen Programme einzuarbeiten?

Selbach: Die Entwickler finden meistens überall die gleiche Oberfläche vor, z.B. Java. Es geht in der Regel lediglich um Teilprozesse. Die Hersteller behalten die Projektleitung und geben diese auch nicht aus der Hand. In Indien wird dann nach den analysierten Vorlagen programmiert und dieses weiter in Deutschland beaufsichtigt, um sicherzustellen, dass das Prozess-Know-how auch in Deutschland bleibt.

Frage: Besteht denn nicht dennoch die Gefahr, dass durch das externe Programmieren Wissen auf Dauer verloren geht?

Selbach: Indische Unternehmen treten als Dienstleister auf und wissen auch, sich als solche zu verhalten. Sie haben mittlerweile seit mehr als 20 Jahren weltweite Erfahrung in Outsourcing-Projekten und bieten Methoden an, durch Datensicherheit und Know-how-Schutz zu gewährleisten. Indien ist in diesem Umfeld inzwischen als seriöser Partner etabliert.

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