Iran, Kongo, China Wie Staaten das Internet abschalten

Der Fall Iran zeigt einmal mehr: Den Internetzugang zu beschränken, ist bei Protesten ein beliebtes Instrument von autoritären Staatsführern. Wie das geht – und warum das auch in Deutschland nicht ausgeschlossen ist.
8 Kommentare
Iran, Kongo, China: Wie Staaten das Internet abschalten Quelle: dpa
Proteste im Iran

Ein Geistlicher fotografiert den Marsch regierungstreuer Demonstranten im Iran: Zu Beginn der Proteste gegen die Regierung schaltete der Staat den Zugang zu Sozialen Medien ab.

(Foto: dpa)

DüsseldorfWelche Rolle das Internet bei Protesten gegen den Staat spielt, konnten politische Führer bereits im „Arabischen Frühling“ beobachten. Nachdem sich 2010 ein Tunesier selbst in Brand gesetzt hatte, weil er für sich keine Lebensperspektive mehr sah, brach eine Welle des Unmuts in arabischen und nordafrikanischen Staaten los. Soziale Netzwerke spielten bei den Protesten, die unter anderem zum Sturz der Regierung in Ägypten und Tunesien führten, eine große Rolle: Bürger teilten ihren Unmut, verabredeten sich zu Demonstrationen und verbreiteten die Bilder im Internet.

Damit sie nicht ein ähnliches Schicksal wie das des ehemaligen tunesischen Präsidenten Zine el-Abidine Ben Ali erleiden, der wenige Wochen nach Beginn der Proteste aus dem Land floh, sorgen andere Herrscher heute vor – und schalten das Internet ab. Ganz oder teilweise, wie es gerade als notwendig empfunden wird.

Bei den Protesten im Iran in den vergangenen Tagen hat die politische Führung schnell reagiert. Aus „Sicherheitsgründen“ beschränkte das Innenministerium den Zugang zum Internet. Telegram-Chef Pawel Durow hatte am Sonntag auf Twitter etwa erklärt, die Regierung habe für die Mehrheit der Iraner den Zugriff auf seinen Messenger-Dienst gesperrt. Telegram ist ein Kurznachrichtendienst wie Whatsapp. Auch andere soziale Netzwerke wie Instagram wurden geblockt. Der Grund: Nachrichten erreichen schnell eine große Zahl an Bürgern. Die iranische Führung twittert selber auch.

Ähnliches ereignete sich in derweil in der Demokratischen Republik Kongo. Zum Jahreswechsel hatte die Regierung die Mobilfunkanbieter dazu aufgefordert, mobiles Internet und SMS-Dienste ganz abzuschalten – wegen regierungskritischer Proteste. Medienberichten zufolge starben zwölf Menschen wegen des gewaltsamen Vorgehens gegen die Demonstranten. Nach drei Tagen wurde das Internet wieder freigegeben.

Deutschland ist keine Ausnahme

Die Möglichkeit, einzelne Internetdienste zu blocken, gibt es auch in Deutschland. Daten fließen nicht in einem dunklen, wüsten Strom durch die Netze der Telekommunikationsanbieter, sobald sie das Smartphone oder den Computer verlassen haben. Stattdessen werden sie zu kleinen Paketen geschnürt und verschickt. Und so wie die Post verfolgen kann, wo welche Sendungen gerade sind, manchen Priorität einräumen oder auch sie auch schlicht nicht annehmen, können die Telekom-Unternehmen das auch. Das bedeutet auch, dass sie die Datenpakete abfangen und damit blockieren können.

Der einfachste Weg, unliebsame Seiten zu sperren, ist, deren IP-Adresse zu blockieren. Sie ist die Anschrift in der digitalen Welt. Alle Geräte, die mit dem Internet verbunden sind, bekommen eine IP-Adresse, eine Nummernkombination. Wenn sie dann Datenpakete verschicken, steht als Absender etwa 123.0.4.56 darauf. Damit wissen die Telekommunikationsanbieter genau, wo sie hinsollen.

Und wie jeder auf seinem Telefon die Telefonnummern von unliebsamen Anrufern blockieren kann, lassen sich auch Datenpakete von bestimmten IP-Adressen abweisen. IT-Sicherheitssoftware nutzt diese Möglichkeit oft in Form von schwarzen Listen: IP-Adressen, bei denen bekannt ist, dass sie Schadsoftware verschicken, kommen darauf und werden geblockt. Gleiches gibt es auch in Form von weißen Listen: Da lässt die Software nur durch, was als sicher eingestuft wurde.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
China versteckt Inhalte hinter der „Great Firewall“
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Iran, Kongo, China - Wie Staaten das Internet abschalten

8 Kommentare zu "Iran, Kongo, China: Wie Staaten das Internet abschalten"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Wenn ich ein Bild poste, dass ein leeres Zelt vor dem Dresdener Krankenhaus-Gelände zeigt, und darunter schreibe: "Hier kommen demnächst tausend Flüchtlinge rein", dann wird kein Gericht der Welt das bestrafen können - auch wenn es in Wahrheit das Zelt für eine Betriebsfeier zeigte.

    Mit solchen Methoden hat die AfD gewaltig Stimmung gemacht. In den USA hat diese Technik mit kräftiger Unterstützung des russischen Geheimdienstes den Vollidioten Trump an die Macht gebracht. Kein Wunder, dass deutsche AfD-Fans wie Herr Spiegel nun gequält aufheulen, wenn diese Volksverarschung verboten wird.

  • Herr Reiner Blumenhagen, für so etwas gibt es Gerichte, kann es sein, daß Sie die Gewaltenteilung nicht kennen, etwa wie der Herr Minister.

  • Herr "Spiegel", auch eine Demokratie ist kein Freibrief für öffentliche Beschimpfungen, Verunglimpfungen, Rassismus und Homophobie.

  • Ein Großteil der "politischen Opposition", die im Internet postet, besteht aus bezahlten Trollen, die im Auftrag von rechtsextremen Parteien Unfug, Falschmeldungen und Hetze verbreiten. Die Wahlkämpfe in den USA und Frankreich haben das gezeigt. Mit richtiger politischer Arbeit hat das nichts zu tun.

  • Zensur ist das zuverlässigste Anzeichen von Hilflosigkeit
    und Existenzangst staatlicher Herrschaft.

    © Prof. Querulix (*1946), deutscher Aphoristiker und Satiriker










  • ""Nur in der Regierung bist du noch vor Zensur sicher " , das erklärt , weshalb die SPD doch noch in eine GroKo wiil , um so vor den eigenen Gestzen geschützt zu sein .

  • Seit Jahresbeginn gilt das Netzwerkdurchsetzungsgesetz...................das ist doch die klassische Vorgehensweise einer Diktatur.

  • Von einer Wiederauflage der Grossen Koalition wäre es konsequent wenn diese politisch oppositionelle Inhalte im Internet blockiert.

    Das Ende der vergangenen Legislaturperiode erlassene Zensurgesetz für soziale Netzwerke funktioniert sehr gut. Bei Facebook kümmern sich mehrere 100 MA eines linken Verlages um die politische Zensur. Die einzige Partei die sich an dem Gesetz wirklich stört ist die Oppositionspartei. Das Bundesverfassungsgericht hat bereits 2 Beschwerden gegen das Gesetz nicht angenommen.

    Somit liegt es nahe auch den Rest des Netzes von politisch oppositionellen Inhalten zu befreien.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%