Islamistische Cyberwelt
Zwischen Ideologie und Horror

In letzter Zeit war es der bärtige Eiman al-Sawahiri, der der weltweiten Islamistengemeinde via Bildschirm Botschaften aus dem Herzen des Terrornetzwerks verkündete.

dpa KARLSRUHE. Mal rief der El-Kaida-Vize zu Anschlägen auf Ölanlagen in muslimischen Ländern auf, mal stachelte er die Anhänger des Dschihad zu blutigen Reaktionen auf die Mohammed-Karikaturen in einer dänischen Zeitung auf. Vor knapp zwei Wochen beschimpfte er Papst Benedikt XVI. wegen dessen Regensburger Rede als „Hochstapler“ und hieß seinen Lieblingsfeind George W. Bush einen „doppelzüngigen Scharlatan“.

Gut möglich, dass Videobotschaften dieser Art auch von Deutschland aus weltweit im Internet verbreitet wurden. Im niedersächsischen Georgsmarienhütte bei Osnabrück ließ die Bundesanwaltschaft am Dienstag einen 36-jährigen Iraker verhaften. Die Ermittler glauben, dass der Familienvater seit gut einem Jahr per Internet Video- und Audiobotschaften von Al-Sawahiri verbreitete sowie von Osama bin Laden höchstselbst und von dem im Frühsommer getöteten Abu Mussab al-Sarkawi. Pikant an dem Fund: Ausgerechnet die umstrittene Polizeibefugnis zum vorbeugenden Abhören von Telefonen brachte die Ermittler auf die Fährte des Mannes - rechtzeitig, bevor das Bundesverfassungsgericht im Juli 2005 das Gesetz kippte.

Zwar tummeln sich in Deutschland längst Terrorhelfer aller Art, wie etwa die kurdisch-islamistische Ansar al-Islam, die vor allem durch das Sammeln von Spenden und die Rekrutierung von Kämpfern für den Irak auffiel. Zudem schrammte Deutschland mehr als einmal knapp an geplanten Anschlägen vorbei, wie zuletzt bei den Kofferbomben in zwei Regionalzügen. Dass jedoch die elektronische Propaganda der El-Kaida-Spitze von Deutschland aus ins Internet gespeist wird, ist neu.

Überraschend ist das nicht. Denn El Kaida, aber auch zahllose andere islamistische Gruppierungen agieren weltweit im Internet. Die Videobotschaften der Terrorprominenz haben gleich mehrere Funktionen. Zum einen sollen damit die Unterstützer des Dschihad motiviert, neue Sympathisanten gewonnen und künftige Anschläge legitimiert werden. So forderte Al-Sawahiri im Zusammenhang mit den dänischen Mohammed- Karikaturen, zum Kampf gegen die Kreuzfahrer-Kampagne seien Anschläge nach dem Muster des 11. September 2001 erforderlich.

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