IT-Branche
Die Renaissance der Hardware

Hardware galt in der IT-Branche lange als margenschwach und unsexy. Geld wurde mit Software verdient. Inzwischen bauen Amazon, Google, Microsoft und Apple Hardware - aber aus gänzlich verschiedenen Gründen. Eine Analyse.
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DüsseldorfAls das Informationszeitzeitalter in den 1990er Jahren seinen Durchbruch feierte, schlug die Stunde der Software-Hersteller – allen voran Microsoft. Die Software-Schmiede hatte früh erkannt, dass das große Geld nicht in der Hardware der sich massenhaft ausbreitenden PCs steckt, sondern in dem, was sich damit anstellen lässt: die Intelligenz der Software.

Während PCs aus Fernost immer billiger wurden, erwiesen sich das Betriebssystem Windows und das Office-Paket  von Microsoft als Goldgrube. Das Hardware-Geschäft dagegen war unattraktiv. IBM zog sich daraus zurück, Compaq ging pleite, HP und Dell verlagerten ihren Schwerpunkt zum Cloud- und Service-Geschäft.

Heute Abend präsentieren Microsoft und Google ihre Geschäftszahlen aus dem vierten Quartal. Noch immer gehören die beiden IT-Riesen zu den profitabelsten Firmen überhaupt. Die Geschäftsmodelle beider Firmen sind grundverschieden: Google verdient sein Geld fast ausschließlich mit Online-Werbung, Microsoft mittels Software-Lizenzen. Beide Firmen bauen inzwischen wieder Hardware, ebenso wie der Online-Händler Amazon. Microsoft kündigte das Tablet Surface an, Amazon baut das Billig-Tablet Kindle, Google baut gemeinsam mit Hardwarepartner Smartphones und bald auch das Nexus-Tablet. Apple ist dank Hardware wie iPhone und iPad zum wertvollsten Unternehmen der Welt geworden.

„Über Jahrzehnte galt im Silicon Valley die Weisheit, dass Software schreiben der beste Weg ist, um reich zu werden“, schreibt Bloomberg Businessweek. Microsoft hat dabei das margenträchtige Software-Geschäft perfektioniert, indem die margenschwachen Geschäftsbereiche Verkauf, PC-Bau und Servicegeschäft anderen überlassen wurden. Auch hier zeigte Apple mit seinen Stores, dass es durchaus Wert hat, wenn das Nutzererleben schon beim Kauf des Geräts kontrolliert wird.

„Sie dachten alle, dass jemand anderes die harte Arbeit überlassen können“, kommentiert der legendäre deutsche-amerikanische Designer Hartmut Esslinger, verantwortlich für das erste Macintosh-Design, im Gespräch mit „Bloomberg Businessweek“ das Verhalten der Konzerne. Er ist überzeugt, dass den Hardware-Partnern die Visionen fehlen, etwas Ganzheitliches zu schaffen.

Hardware als Schaufenster

Die Motive für den plötzlichen Sinneswandel allerdings sind sehr unterschiedlich: Amazon verdient sein Geld mit Büchern, Online-Inhalten und Cloud-Diensten. Die selbstgebaute Hardware, die E-Book-Reader und das Tablet Kindle Fire, sind hier nichts weiter als ein Verkaufskanal, um Online-Inhalte an den Mann zu bringen. Studien zeigen, dass Tablet-Nutzer besonders spendierfreudig sind. Das Tablet Kindle Fire, das vermutlich unter Wert verkauft wird, dient als digitales Schaufenster für Online-Waren wie Filme und elektronische Bücher.

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