IT-Dienstleister
Niederländer fürchten US-Spionage

Der niederländische Justizminister will IT-Dienstleister aus den USA von Aufträgen ausschließen - er hat Sorge, dass US-Behörden Zugriff auf sensible Daten der Niederländer bekommen.
  • 1

München/Frankfurt/DüsseldorfIvo Opstelten war bis vor kurzem außerhalb seiner niederländischen Heimat kaum je in Erscheinung getreten. Lediglich als es um den Cannabis-Konsum von Ausländern in seinem Land ging, sorgte der Justizminister der Niederlande einmal kurz für Schlagzeilen in der internationalen Presse.

Das hat sich in den vergangenen Wochen radikal verändert. Seit er sich jüngst gegen die Vergabe von Aufträgen an Cloud-Anbieter aus den USA ausgesprochen hat, ist der Name Opstelten zumindest in der IT-Welt ein Begriff. Der Minister hat seine Forderung zwar inzwischen abgemildert und die Regierungen aufgerufen, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Mit seinem Vorstoß hat er jedoch eine Branche verschreckt, die sich vom sogenannten Cloud-Computing, bei dem Daten in einer Firma nicht mehr auf eigenen Servern vorgehalten, sondern im Internet gespeichert werden, Milliarden-Umsätze erhofft.

Der Politiker begründete seine Haltung mit dem amerikanischen Antiterrorgesetz Patriot Act. Dieses verpflichtet Firmen mit Hauptsitz in den USA, mit den US-Ermittlungsbehörden zusammenzuarbeiten. „Das bedeutet grundsätzlich, dass Firmen aus den Vereinigten Staaten von solchen Angeboten und Verträgen ausgeschlossen sind“, schrieb der Minister in einer Antwort auf eine parlamentarische Anfrage. So soll verhindert werden, dass US-Behörden Zugriff auf sensible Daten der Niederländer bekommen.

Opstelten hat damit einen wunden Punkt im Werben der IT-Dienstleister um Cloud-Aufträge getroffen. Denn auch viele Unternehmen schrecken vor der Wolke zurück. Sie fürchten um ihre sensiblen Daten, wenn sie beim Cloud-Computing nicht mehr auf den eigenen Computern, sondern in großen, oft weltweit verteilten Rechenzentren der Serviceanbieter lagern.

Trotz der Sicherheitsbedenken hat das Auslagern Vorteile für die Unternehmen: Sie sparen etwa die Anschaffungskosten für neue Hardware und müssen sich nicht um deren Wartung kümmern.

Seite 1:

Niederländer fürchten US-Spionage

Seite 2:

US-IT-Dienstleister sind sauer

Kommentare zu " IT-Dienstleister: Niederländer fürchten US-Spionage"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • "Er hat Sorgen" der Witz war wirklich gut.

    Er sollte sich einmal die Aussagen einiger US Politiker anhören. Die USA hat durch den "Patriot Act" nahezu alle demokratischen Spielregeln ausser Kraft gesetzt.
    Email, Telefon, Bankverbindungen, Flugverbindungen usw. werden Weltweit überwacht. Dagegen sind die chinesen die reinsten Waisenknaben. Und die trotteligen Europäer servieren Ihre Daten in der Cloud noch freiwillig auf dem Tablett.
    Der Name an sich besagt ja schon das das ganze im Wolkennirvana verschwindet.
    Wie sagte schon Einstein. "Zwei Dinge sind unendlich: Das Universum und die menschliche Dummheit"

    Echolon usw.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%