IT-Gipfel
Die gefährlichsten Datendiebe lauern im eigenen Unternehmen

Die Sicherheit der Computersysteme gehört zu den wichtigsten Themen des IT-Gipfels in Dresden. Über keinen anderen Punkt wird wohl so heiß diskutiert werden. Denn die Wikileaks-Affäre um die gestohlenen Dokumente sorgt für Unruhe.
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MÜNCHEN. Thilo von Selchow kann es bis heute nicht fassen, dass seine Firma voriges Jahr zum Ziel von Hackern geworden ist. Noch immer fragt sich der Chef des Dresdner Chipherstellers ZMDI, wer sich für sein Unternehmen wohl interessieren könnte. Doch trotz einer Anzeige liegt bis heute im Dunkeln, von wem der sächsische Mittelständler angegriffen wurde.

ZMDI befindet sich in guter Gesellschaft - immer öfter müssen sich Unternehmen und öffentliche Einrichtungen gegen Eindringlinge von außen und Missetäter in den eigenen Reihen wehren. Jedes zehnte deutsche Unternehmen hat akute Sicherheitsprobleme mit seiner Computertechnik, wie eine gestern veröffentlichte Umfrage des Statistischen Bundesamtes ergab. Elf Prozent der Firmen waren demnach im vergangenen Jahr von Schwierigkeiten mit ihren Informations- und Kommunikationssystemen betroffen.

Enormer Vertrauensverlust

Die Wikileaks-Affäre um 250 000 gestohlene Dokumente der US-Regierung hat die IT-Verantwortlichen weltweit erneut aufgeschreckt. Auch die deutsche Politik ist besorgt: "Wikileaks und seine Trittbrettfahrer sind eine Bedrohung für die deutsche Wirtschaft", warnt Hans-Joachim Otto, Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium. Wenn jeder permanent damit rechnen müsse, dass ein Betriebsgeheimnis öffentlich werde, dann sei das ein enormer Vertrauensverlust.

Heute treffen sich in Dresden Politiker und Manager zum fünften nationalen IT-Gipfel. Obwohl die Sicherheit nur einer von mehreren Punkten auf der Agenda ist, werden die Teilnehmer der Konferenz vermutlich über kein anderes Thema so heiß diskutieren.

Zumindest eines dürfte unstrittig sein: Je mehr die Welt sich vernetzt, desto größer die Gefahr. Computer, Handys oder die Kassen in den Supermärkten sind längst übers Internet miteinander verbunden, jetzt kommen auch noch Autos, Maschinen und die Stromzähler dazu.

Auf einmal können Experten nicht nur die Rechner im Büro nebenan stören, sie können ganze Werke stilllegen. Oder, wie im Fall Wikileaks, durch Diebstahl von Dateien diplomatische Turbulenzen auslösen.

Zwei Arten von Angriffen sind grundsätzlich möglich: Von außen und aus einer Organisation selbst heraus. "Datendiebstahl kommt in der Regel von innen", sagt Thomas Koelzer, Vorstand der auf IT-Sicherheit spezialisierten Secunet in München. "Doch das hatten viele Firmen bis jetzt nicht richtig auf ihrem Radar." Auch die US-Regierung hat auf diesem Feld offensichtlich versagt.

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  • bleibt zu hoffen, dass heute in Dresden nicht nur auf einer abstrakten Ebene diskutiert wird, sondern dass – gerade vor dem Hintergrund der aktuellen Wikileaks-Diskussion – konkrete Empfehlungen ausgesprochen werden und auch die öffentliche Verwaltung endlich ernst mit dem Schutz von vertraulichen Daten macht. Vom Umstieg von Papier auf digitale Dokumente ganz zu schweigen.

  • Natürlich sind die Leute am Gefährlichsten, die die ideen haben oder mitbringen :-)

    Das liegt am Prinzip ! Ein Unternehmen ist nämlich nur eine Vertriebsstruktur, die die ideen und die Arbeit diese umzusetzen von den Angestellten und Arbeitern einkauft... viel zu billig übrigens !

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