IT-Industrie
Kabelsalat und Datenchaos

Die IT-Industrie feiert sich auf der Cebit selbst - doch ihre Produkte sind immer noch viel zu kompliziert und überfordern die privaten Kunden. Viele Menschen trauen sich erst gar nicht an Computer heran, aus Angst vor den unergründlichen Tiefen der Informationstechnologie. Warum die Komplexität der IT-Produkte der gesamten Gesellschaft schadet.

HB. Einsteigen, Schlüssel umdrehen, losfahren. So einfach geht's. Wer sein neues Auto beim Händler abholt, verliert nicht viel Zeit. Der freundliche junge Mann erklärt kurz das Radio, hebt den Deckel über dem Ersatzrad hoch und wünscht dann, nach ein paar Minuten, gute Fahrt. Zu Hause abends noch schnell Straßenkarten und Eiskratzer ins Handschuhfach legen und womöglich kurz einen Blick auf die Bedienungsanleitung werfen. Mehr nicht.

Dagegen der Aufwand beim Kauf eines PCs: Denken Sie an die vielen Stunden, die Sie verzweifelt vor dem Bildschirm verbracht haben, ehe der Rechner so gelaufen ist, wie Sie das wollten; an die ausführlichen Telefonate mit dem Bekannten, der wusste, wie sich die Dateien vom alten auf den neuen PC überspielen lassen; an die Tricks und Kniffe, die Sie gebraucht haben, um die Programme von Microsoft dazu zu bringen, doch eine alte Version der Bürosoftware Office zu akzeptieren. Und wie Sie noch schnell in den Elektronikmarkt gehetzt sind, um eine neue Sicherheitssoftware zu kaufen.

Da mag sich die IT-Branche diese Woche auf der Cebit in Hannover wieder selbst feiern bis zum Umfallen, an einer Tatsache kommt die Industrie doch nicht vorbei: Sie macht es ihren Nutzern nach wie vor zu schwer. Wäre die IT so einfach zu benutzen wie ein Auto, sie wäre viel weiter verbreitet. Das ist beileibe nicht nur ein Problem der Anbieter, die deutlich mehr verkaufen könnten, wenn sie nur stärker an ihre Käufer denken würden. Dass die IT so kompliziert ist, schadet der ganzen Gesellschaft.

Denn viele Menschen wagen sich erst gar nicht an die Computer heran, weil sie Angst vor den unergründlichen Tiefen der Informationstechnologie haben. Das erschwert diesen Leuten auf völlig unnötige Weise das Leben, weil sie vom technischen Fortschritt ausgeschlossen sind.

Online-Banking findet ebenso ohne sie statt wie die ganzen sozialen Netzwerke, in denen neuerdings Millionen Menschen Kontakte knüpfen und pflegen. Zudem ist es genau aus diesem Grund so schwer, wegweisende Neuerungen wie die Gesundheitskarte einzuführen. Denn wenn Millionen sich vor solchen Innovationen der Informationstechnologie fürchten, schrecken auch die Politiker davor zurück, sie gegen Widerstand durchzudrücken.

Das Desaster beginnt bereits beim Kauf eines Computers. Wer sich einen neuen Rechner zulegen will, der muss sich durch eine Flut technischer Details quälen. Die Autoindustrie macht es sich und ihren Kunden einfach: Da gibt es Cabrios und Kombis, Geländewagen und Limousinen, Diesel und Benziner.

Seite 1:

Kabelsalat und Datenchaos

Seite 2:

Seite 3:

Seite 4:

Seite 5:

Seite 6:

Seite 7:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%