IT-Sicherheit
Hacker proben Großangriff

Der Superwurm "Conficker" infiziert Millionen Computer und offenbart die Sicherheitslücken vieler IT-Abteilungen. Dabei ist die Sicherheitslücke, die der Schädling seit November 2008 ausnutzt, schon seit langem bekannt. Doch viele IT-Abteilungen scheinen davon nichts mitbekommen zu haben.

DÜSSELDORF. Es sind arbeitsreiche Tage für Patrick Runald. Der Antivirenexperte des Sicherheitssoftware-Anbieters F-Secure schlägt sich derzeit mit dem Internetwurm "Conficker" herum. Das Hackerprogramm knackte die Rechner der finnischen Regierung und der Landesregierung in Kärnten. Er nistete sich in Computern der Bundeswehr, der französischen Luftwaffe und der Marine ein. Nach Schätzungen von F-Secure waren Ende Januar mehr als sieben Millionen Rechner in der Gewalt von Conficker. "Es ist das größte Problem, an dem wir seit vier Jahren arbeiten", sagt Runald.

Conficker erinnert viele Unternehmens-Manager wieder einmal daran, dass es um den Schutz ihrer Computer schlecht bestellt ist. Die Sicherheitslücke, die der Schädling seit November 2008 ausnutzt, ist seit langem bekannt. Einen Monat vor der ersten Attacke hatte Microsoft schon ein Software-Update bereitgestellt, um sie abzudichten. Doch viele IT-Abteilungen scheinen das nicht mitbekommen zu haben - und stehen nun in der Kritik: 30 Prozent der IT-Verantwortlichen geben einer Umfrage des Softwareanbieters Sophos zufolge den Systemadministratoren die Schuld am Virenbefall.

Die Conficker-Welle ruft in Erinnerung, dass ein Wirtschaftszweig auch in Krisenzeiten blüht: die Cyberkriminalität. Das Schreiben von Hacker-Programmen ist zum einträglichen Geschäft geworden. Mitarbeiter des Sicherheitsanbieters Symantec beobachteten vergangenes Jahr, wie binnen zwölf Monaten über Internetforen Hackersoftware und Kontodaten für 276 Mio. Dollar verkauft wurden. Allein mit den dort gehandelten Kreditkarteninformationen könnten Gangster bis zu 1,7 Mrd. Dollar unrechtmäßig abheben. Auch Zugangsdaten für E-Mail- oder Ebay-Konten werden versteigert. "In der Untergrundwirtschaft lässt sich viel Geld verdienen", sagt Thomas Hungenberg, Computerexperte beim Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik.

Am meisten Schaden verursachen die sogenannten "Botnetze". Sie sind die Infrastruktur der Cyberkriminellen und umfassen oft mehr als eine Million heimlich aus der Ferne gesteuerte Computer. Die Hacker vermieten sie, zum Beispiel um Spam-Mails zu verschicken.

Im Herbst mussten die Botnetz-Betreiber zwar einen Rückschlag verkraften: Zwei Internetprovider, die kalifornischen Firmen McColo und Atrivo, wurden vom weltweiten Datenverkehr abgeklemmt. Wenige Tage nach dem Ausschalten sank die Zahl der Spam-Mails, die das Internet verstopfen, massiv - Schätzungen zufolge um fast zwei Drittel.

Seite 1:

Hacker proben Großangriff

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%