IT-Sicherheit
Millionengeschäft Datenklau

Eine aktuelle Untersuchung belegt: Datenklau ist ein Millionengeschäft - und die Hacker nehmen zunehmend kleinere Unternehmen ins Visier
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Frankfurt

Private Daten werden immer sorgloser ins Internet gestellt. Doch auch wer von freiwilliger Bloßstellung absieht, kann sich nie ganz sicher sein. Selbst Geheimdienstmaterial wurde zuletzt plötzlich öffentlich. Und Datenklau durch Organisationen wie Wikileaks ist laut Sicherheitsexperten nur die Spitze des Eisbergs. Denn private Daten sind bares Geld wert, illegale Zugriffe ein Millionengeschäft.

Das US-Unternehmen Verizon hat für eine am heutigen Dienstag erscheinende Studie 1.700 Fälle von Datendiebstahl unter die Lupe genommen. Der Bericht zeigt, wie die virtuellen Eindringlinge vorgehen, welche Ziele sie bevorzugt ansteuern und nicht zuletzt, wer sich hinter den Eindringlingen verbirgt.

"Es ist geradezu ein Trend geworden, für jeden Cyberangriff erstmal die Chinesen verantwortlich zu machen", sagt Bryan Sartin von Verizon Business im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dapd. Damit stehe der IT-Chef eines angegriffenen Unternehmens schließlich besser da, als wenn er zugäbe, dass vermutlich ein 17-Jähriger im Keller seiner Mutter in Rumänien alle Systeme geknackt habe.

In der Realität stünden Datendiebstähle durch Regierungen oder andere politische Institutionen jedoch nur für einen sehr geringen Anteil der verzeichneten Zugriffe, sagt der Sicherheitsexperte. "In 75 Prozent der Fälle haben wir es mit finanziellen Motiven zu tun."

Da es meist um Geld geht, zählten in der Vergangenheit vor allem Großbanken zu den Zielen der kriminellen Hacker. Dies habe sich in den letzten Jahren allerdings geändert, sagt Sartin - nicht zuletzt deshalb, weil viele der illegalen Datenjäger den Behörden in die Fänge geraten seien.

"Einen Elefanten zu erlegen, ist ergiebig, aber auch gefährlich", sagt Sartin. "Hasen zu erlegen hingegen, ist zwar weniger ergiebig, die aber laufen überall herum, man muss sie praktisch nur einsammeln."

Die "Hasen" sind in der Welt der Cyberkriminalität die kleinen Unternehmen. Die Ergebnisse des "2011 Data Breach Investigation Report", den der private Sicherheitsdienstleister Verizon Business in Zusammenarbeit mit dem US Secret Service und dem niederländischen National High Tech Crime Unit erstellt hat, zeigen, dass zuletzt vor allem Betriebe im Einzelhandel und im Gastgewerbe ins Fadenkreuz der Datenjäger gerieten.

"Die Daten, die diese Unternehmen haben, sind für Hacker wahre Schatztruhen", sagt Sartin. Neben den Kreditkartennummern seien in Reservierungslisten oder anderen Systemen oft sämtliche Angaben erhältlich, die für Schwindel und Betrug, im Extremfall gar für Identitätsfälschung nötig seien. Und anders als Großkonzerne hätten solche Unternehmen der Abwehr von Angriffen aus dem Internet nur selten etwas entgegenzusetzen.

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