IT-Sonderlinge
Frauen fürchten das Nerd-Image von IT-Jobs

Bill Gates gilt als einer der erfolgreichsten Computerunternehmer - doch selbst der schwerreiche Manager wird sein Image als "Nerd" einfach nicht los. Gerade in der IT-Branche tummeln sich viele "Sonderlinge" mit einer speziellen Leidenschaft für Technik. Das schreckt besonders weibliche Bewerber ab.

DÜSSELDORF. Uncool zu wirken gilt vielen Menschen der Gegenwart als ein großes Unglück, das es unbedingt zu vermeiden gilt. Was cool ist und was nicht, ist ein weites Feld, doch der berufsmäßige Umgang mit Informationstechnik ist offensichtlich im Urteil sehr vieler Frauen in höchstem Maße uncool. Dadurch nämlich, so will eine amerikanische Soziologin herausgefunden haben, sei die geringe Zahl von Frauen in der IT-Branche zu erklären.

Wer sich gerne mit Computern beschäftigt, wird in den USA schnell als „Nerd“ stigmatisiert. Der Begriff, dessen Herkunft ungeklärt ist, ist kaum zu übersetzen, am ehesten als „Sonderling“. Besonders, wenn ein IT-Fachmann obendrein eine Brille und unmodische Kleidung trägt oder die Abende nicht in Bars oder Discos verbringt, gilt er schnell als Nerd. Auch erfolgreiche Unternehmer wie Bill Gates oder Steve Jobs werden das Nerd-Image nicht los.

Dieses Klischee, das in frühen Computerzeiten in den 70er- und 80er-Jahren entstand und in zahllosen Teenager-Filmkomödien wie „The Revenge of the Nerds“ gepflegt wurde, ist offenbar noch höchst wirksam. Das schreibt die Soziologin Lori Kendall von der Universität von Illinois in einer im Internet veröffentlichten Studie („White and Nerdy“). Der Titel bezieht sich auf ein Lied des Parodisten Weird Al Jankovic. Kendall analysierte amerikanische Medien und stellte fest, dass das Nerd-Stereotyp in Film, Fernsehen und Werbung noch sehr lebendig ist.

In den Ruf, „nerdy“ zu sein, wollen besonders Frauen unter keinen Umständen geraten. Dass sie – offenbar noch mehr als Männer – unter gar keinen Umständen als Nerd gelten wollten, so vermutet die Forscherin, könnte ein Grund dafür sein, warum sie in der IT-Branche unterrepräsentiert sind. Im Umkehrschluss, so Kendall, wird Menschen, die keinesfalls dem Klischee entsprechen, wenig Kompetenz in Computer-Dingen unterstellt. Das betrifft pauschal Frauen und nicht-weiße Männer.

„Vor zehn Jahren habe ich gedacht, das Nerd-Stereotyp würde von allein aussterben, wenn immer mehr Menschen in ihrem Alltag Computer verwendeten“, sagt Lori Kendall. „Ich dachte: Wenn wir erst mal alle einen Computer benutzen, sind wir alle Nerds. Nun, das hat sich nicht als wahr erwiesen.“

Der typische Nerd wird in den von ihr untersuchten Massenmedien stets als weißer Mann präsentiert – was auch Jankovic in seinem Lied „White and Nerdy“ thematisiert. Jankovic stellt dem unsportlichen weißen Nerd-Jungen, der seinen Laptop mit unter die Dusche nimmt und Tischtennis (das in den USA als uncool gilt) spielt, gegen den schwarzen „Hip-Hop-Gangsta“ und dessen „cooles“, in der schwarzen Subkultur begründetes Männlichkeitsideal.

Kendalls Analyse bestätigt dieses Stereotyp zumindest in den Medien: Frauen und Schwarze werden nicht als Nerds angesehen. „Die Folge dieser Stereotypisierung ist, dass wir denken, dass Leute, die etwas von Computern verstehen, weiß und männlich sein müssen“, sagt Kendall. „Und das hat Einfluss darauf, wie Frauen oder Angehörige ethnischer Minderheiten angesehen werden, wenn sie einen Beruf mit starkem Computer-Bezug wählen.“

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