IT-Systeme
Wenn Software aus der Wolke kommt

Sie scheuen große IT-Investitionen, stehen unter Sparzwang und wollen dennoch flexibel bleiben: Statt sie zu kaufen, greifen immer mehr kleine und mittelständische Unternehmen auf gemietete Customer Relationship Management (CRM)-Systeme zurück. Warum die Mietsoftware die IT-Branche nachhaltig verändern könnte.
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KÖLN. Ohne ein professionelles System für das Customer Relationship Management (CRM) würde beim Nürnberger Unternehmen Global Communication so gut wie nichts funktionieren. Die Firma ist auf Telemarketing spezialisiert, und da zählen Kundenkontakte zum wichtigsten Kapital. „Wir haben unheimlich viele Kontakte, Termine und Informationen von Messebesuchen, die wir verwalten müssen“, sagt Gesellschafterin Nicole Wendt. Für sie war von Beginn an klar, dass die Firma nur mit einer CRM-Software würde wachsen können.

Doch der Aufbau eines eigenen IT-Systems samt Server und Software wäre nicht nur kostspielig gewesen, sondern auch schwer kalkulierbar. Denn in Call-Centern verändert sich die Zahl der Mitarbeiter oft schnell und unvorhergesehen. Die Lösung, für die sich Nicole Wendt entschied, lautete deshalb: Mieten statt kaufen. Das CRM-System, das die Nürnberger heute nutzen, ist nicht auf einem hausinternen Server gespeichert, sondern im Rechenzentrum eines Dienstleisters.

Anbieter und Experten nennen das Prinzip Software as a Service (SaaS), Cloud Computing, Hosting oder On-Demand. Es gewinnt bei CRM-Anwendungen schnell an Bedeutung. Statt ihre CRM-Programme zu verkaufen, bieten Software-Hersteller zunehmend Software-Abonnements an. Viele mittelständische und kleine Firmen, die große IT-Investitionen scheuen, interessieren sich für solche Miet-Lösungen. Statt einer großen Investitionssumme auf einen Schlag wird nur eine monatliche Gebühr pro Nutzer fällig. Darin enthalten sind meist nicht nur die Lizenzen, sondern auch Dienstleistungen wie die Datensicherung, Software-Updates und die Rechenleistung der Server.

Vor einigen Jahren war SaaS schon einmal ein Thema, damals noch unter dem Namen Application Service Providing (ASP). Der ASP-Hype platzte aber mit der Dotcom-Blase. Doch inzwischen sind Computer rechenstärker, Internet-Verbindungen schneller und Software-Programme schlanker geworden. Und plötzlich ist die Mietsoftware wieder ein Trend-Thema.

Diesmal könnte SaaS die IT-Branche nachhaltig verändern. Das amerikanische Marktforschungsunternehmen Gartner sagt dem weltweiten SaaS-Markt für 2009 ein Wachstum von 21,9 Prozent und einen Umsatz von acht Mrd. Dollar voraus. Allein CRM-Software auf Mietbasis spielte den Anbietern 2008 mehr als 1,8 Mrd. Dollar ein. Bis zum Jahr 2013 soll der SaaS-Markt weiter wachsen auf dann 16 Mrd. Dollar. „Das Hosting wird im CRM-Bereich in den nächsten Jahren weiter an Fahrt gewinnen und überdurchschnittlich schnell wachsen“, sagt Jochen Wießler, Leiter der Unternehmenssoftware-Sparte bei Microsoft Deutschland.

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