IT-Trend Consumerization
Verbraucher bestimmen den Takt

„Bring your own IT“ heißt es in immer mehr Unternehmen, wie eine aktuelle Studie zeigt. Schlecht für Blackberry: Die Business-Geräte konnten IT-Abteilungen überzeugen, nicht aber die Konsumenten.
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DüsseldorfPraktisch sollen Geräte sein, zuverlässig und leistungsstark – so die vorherrschende Meinung in den Vorstandsetagen dieser Welt. Für hedonistische Qualitäten – Geräte, die einfach Spaß machen und schön sind – hätten die wenigsten Controller Geld bewilligt. Die Gebrauchstauglichkeit technischer Geräte hatten Unternehmen natürlich aus Effizienzgründen im Blick. Doch das Nutzererleben, sozusagen der Coolness-Faktor eines Geräts, interessierte die Firmen eher wenig.

Doch Konsumenten sind auch Mitarbeiter und privat legen sie sich immer häufiger ein iPhone statt einen Blackberry zu. Anders als die Business-Geräte aus dem Hause Research in Motion (RIM), zielt Apples iPhone mit seiner bunten App-Welt, Spielen und Fun-Anwendungen klar auf Konsumenten ab. Dass das iPhone zu Anfang viele Business-Funktionen der Blackberrys noch nicht beherrschte, störte die Kunden wenig. Nun sehen Mitarbeiter zunehmend nicht mehr ein, warum sie auf der Arbeit andere Geräte nutzen sollen, als diejenigen, die sie privat kennen und schätzen.

Die Unternehmen haben darauf längst reagiert: Die meisten Arbeitnehmer dürfen heute ihre privat genutzten Smartphones, Tablets und Laptops auch auf der Arbeit nutzen. Dem Consumerization Report 2011 zufolge erlauben bereits 59 Prozent der deutschen Firmen ihren Arbeitnehmern, private IT-Geräte im Unternehmen zu nutzen, in den USA sind es bereits 75 Prozent. Das japanische Unternehmen Trend Micro hatte insgesamt 600 Unternehmen mit mindestens 500 Mitarbeitern in Deutschland, den USA und Japan befragt. Damit habe die „Consumerization“ der IT einen neuen Höhepunkt erreicht, kommentierte Trend Micro die vor wenigen Tagen veröffentlichte Umfrage.

Konsumenten-Hardware verdrängt auch teure Unix-Server

Auch in anderen Bereichen geben längst Konsumenten-Produkte in den Betrieben den Ton an, wenn auch weniger sichtbar als bei iPhone und iPad. Bis zur Jahrhundertwende herrschten in Unternehmen noch spezialisierte Server vor, auf denen Unix-Systeme wie mit Namen wie Solaris, HP-UX oder Irix liefen. Die Massenanfertigung von PCs und Konsumenten, die immer leistungsfähigere Hardware nachfragten, führten aber zu einer Verbilligung schneller Hardware.

Google war eines der ersten großen Unternehmen, die ausschließlich auf „Hardware von der Stange“ setzten, statt auf teure Unix-Maschinen. Statt teure, besonders zuverlässige Hardware, nutzt Google normale Intel-Prozessoren mit dem Betriebssystem Linux – eine kostenlose Open-Source-Variante des Server-Betriebssystems Unix. Die Rechner sind in großen Netzwerken als sogenanntes Cluster zusammengeschlossen und redundant ausgelegt. So ist es nicht weiter tragisch, wenn ein Teil der Billig-Hardware ausfällt – das Netzwerk als ganzes übernimmt die Aufgaben und ausgefallene Teile werden schnell ersetzt.

Für die IT-Branche bedeutet die Hinwendung zu den Konsumenten einen tiefgreifenden Wechsel ihrer Strategie. Reichte es früher aus, die IT-Einkäufer von den eigenen Produkten zu überzeugen, die immer schneller und effizienter wurden, müssen nun diejenigen überzeugt werden, die die Geräte auch tagtäglich einsetzen. Und da zählen plötzlich ganz andere, weniger fassbare Werte. Wird man mich bewundern? Wird mich das Produkt erstaunen, überraschen? Denn auch Arbeit darf Freude machen.

Das ist schlecht für Blackberry-Geräte. Die Smartphones sind mit ihrer Hardware-Tastatur als exzellente E-Mail-Manager bekannt, die sich nahtlos in jedes Unternehmens-Netzwerk mit Outlook einfügen und Geschäftsgeheimnisse dank starker Verschlüsselung schützen. Aber besonders sexy sind sie nicht - und damit auch ein Opfer der „Consumerization“.

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