Jährlich Milliarden-Ausgaben für die Sicherheit
Wirtschaft stützt Schäubles Plan für heimlichen PC-Zugriff

Obwohl in der deutschen Wirtschaft die Sorge vor Internet-Attacken auf interne Daten- und Steuerungssysteme wächst, hat sie grundsätzlich gegen den geplanten PC-Zugriff durch den Staat nichts einzuwenden. Die Arbeitsgemeinschaft für Sicherheit der Wirtschaft stellt dafür allerdings eine Bedingung.

BERLIN. „Es müssen jedoch zielgerichtete Eingriffe gegen potenzielle terroristische Straftäter sein, bei denen die rechtsstaatlichen Grenzen genau definiert sind“, sagte Thomas Menk, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft für Sicherheit der Wirtschaft (ASW). Der ASW gehören unter anderem die Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft und Sicherheitsunternehmen an.

Angriffe auf die IT-Sicherheit und besonders der mögliche Missbrauch des Internets durch terroristische Straftäter stellten eine ernst zu nehmende Sicherheitsgefährdung dar, sagte ASW-Chef Menk nach einer Befragung unter 208 Unternehmen und Sicherheitsfirmen. Der ermittlungsbezogene Zugriff auf das Internet durch den Staat, verfolge die Absicht Straftaten aufzuklären. Deshalb habe er auch kein Verständnis dafür, dass Telefone auf richterliche Anordnung überwacht werden dürften, dies aber im Zusammenhang des Internets ausgeschlossen sein sollte, sagte Menk.

Laut der ASW-Umfrage erwarten 79 Prozent wachsende Risiken durch Hacker-Übergriffe auf betriebliche Computernetze, 77 Prozent der Befragten fürchten Softwareviren aus dem Internet. Sicherheitsexperten von Unternehmen rechnen daher mit steigenden Investitionen in die Datensicherheit.

Insgesamt geben die deutschen Unternehmen nach ASW-Angaben jährlich rund 0,6 Prozent ihres Umsatzes für Sicherheit aus. Die 24 Dax-Unternehmen, die ihren Umsatz ausweisen, kommen insgesamt auf 941 Mrd. Euro. Addiert man die sechs Banken und Versicherungen, die ihren Umsatz nicht ausweisen, zum Durchschnitt der anderen 24 Unternehmen hinzu, käme man auf eine Summe von sieben Mrd. Euro, die die Dax-30-Unternehmen insgesamt jedes Jahr in Sicherheit investieren.

Die Internet-Attacken zielten meist auf eine Störung betrieblicher Abläufe, sagte ASW-Chef Menk. Ein technisches „Herausziehen“ von Informationen in bedeutendem Ausmaß sei dagegen bisher nicht beobachtet worden. Insgesamt bleibe die Gefährdungseinschätzung der Wirtschaft angesichts der zunehmenden Globalisierung hoch, da vor allem große Unternehmen auch in Märkten mit instabilen politischen Verhältnissen tätig seien. Eine akute Gefährdung im Inland durch islamistische Terroranschläge bestehe für die Mehrzahl der deutschen Unternehmen derzeit aber nicht.

Über die Hälfte der Befragten wünscht sich eine engere Zusammenarbeit mit der Polizei, aber nur ein Viertel mit dem Verfassungsschutz. 14 Prozent der Firmen gaben an, dass sie in den vergangenen zwei Jahren mit Spionage durch fremde Nachrichtendienste konfrontiert worden seien. Von Abhörversuchen berichteten mehr als die Hälfte. Konkurrenzspionage kam in mehr als 43 Prozent der Firmen vor. Die Bedrohung durch Industrie- und Wettbewerbsspionage wird höher eingeschätzt als durch Terrorismus, Kriminalität oder Krieg und Militäreinsätze.

Die Schäden durch Wirtschaftskriminalität vom Ladendiebstahl über Übergriffe auf Lastwagen mit teurer Ladung bis zur Korruption erreichen laut Experten jährlich Beträge in Milliardenhöhe. Bis Ende 2009 wollen deshalb laut ASW-Umfrage mehr als ein Drittel der Firmen in Systeme zur Zutrittskontrolle mit biometrischen Merkmalen wie Fingerabdrücken, Iriserkennung oder Ähnlichem investieren. Mehr als ein Fünftel will seine drahtlosen Funknetzwerke (LAN) in die Sicherheitstechnik einbinden.

Der Autor ist Ressortleiter Wirtschaft und Politik.
Thomas Sigmund
Handelsblatt / Ressortleiter Politik und Leiter des Hauptstadtbüros
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