Jean-Remy von Matt und die Blogger Die Wut der Klowände

Jean-Remy von Matt, der Gründer der renommierten Werbeagentur Jung von Matt, ist ein Star unter den deutschen Werbern. Seit Donnerstag vergangener Woche ist sein Image angekratzt – und das hat mit Jens Scholz und einer internen E-Mail zu tun.
Jean-Remy von Matt. Foto: JvM

Jean-Remy von Matt. Foto: JvM

DÜSSELDORF. An diesem Tag veröffentlichte der E-Commerce-Berater Jens Scholz in seinem Weblog – einer Art Online-Tagebuch – einen internen Newsletter aus dem Hause Jung von Matt, der ihm zugespielt wurde. Damit löste er eine Affäre aus, ein Musterbeispiel für den PR-Gau in den Zeiten des Internets.

Der Ton jenes Newsletters war deftig. Von Matt zeterte darin gegen die Kritiker der Kampagne „Du bist Deutschland“, die von Jung von Matt sowie der Agentur Kemper Trautmann mitentwickelt wurde. Drei Gruppen nahm er besonders aufs Korn: die Werber-Konkurrenz („Nicht gut, wenn unsere Branche selber nicht mehr an die Kraft von Kommunikation glaubt.“), Feuilleton-Journalisten („Blöd, wenn man so viel Kopf hat, dass einem jedes Bauchgefühl verloren gegangen ist.“) und Weblogs („Klowände des Internets ... Was berechtigt eigentlich jeden Computerbesitzer, ungefragt seine Meinung abzusondern?“).

„Ich wollte von Matt nicht bloßstellen“, betont Blog-Autor Scholz. Ihm sei es mehr um ein Beispiel gegangen, wie Führungspersonen heute mit Kritik umgehen.

Die Veröffentlichung der Äußerungen von Matts löste einen Sturm aus: Hunderte von anderen Online-Journalen sahen sich als Klowand tituliert und ihres Rechtes auf freie Meinungsäußerung beschnitten. Statt 300 Leser wie an einem normalen Tag zählte Scholz in seinem Weblog 5 000.

Die US-Weblog-Suchmaschine Technorati listet seit Tagen „Du bist Deutschland“ als meistgesuchte Worte – noch nie zuvor hat ein deutscher Begriff das geschafft. Und längst ist die Geschichte auch in den USA publik. „Man musste schon immer aufpassen, was man in E-Mails schreibt. Jetzt aber können Äußerungen auch schnell und leicht publiziert werden“, sagt der Münchener Unternehmensberater und Weblog-Experte Klaus Eck. Er warnt: „Alles, was digital verfasst wird, kann irgendwann ans Tageslicht kommen“ – dank privater Weblog-Autoren, die emotionaler reagieren als klassische Medien.

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