Jugendschützer: Eltern wissen nichts davon
Gewaltvideos auf Handys

Eltern haben nach Beobachtung von Jugendschützern oft keine Ahnung, dass Gewaltvideos auf den Handys oder in den Emailpostfächern ihrer Kinder kursieren.

dpa TÜBINGEN/MAINZ. „Da gibt es die schlimmsten Bilder, von Enthauptungen über Steinigungen bis hin zu Menschen, die angezündet werden.“ Das sagte der Leiter vom Mainzer Jugendschutz.net, Friedemann Schindler, in einem dpa-Gespräch. Die Länder übergreifende Stelle für Jugendschutz im Internet durchforstet das Netz unter anderem nach verbotenen Gewaltdarstellungen.

In Tübingen ermittelt die Polizei seit kurzem gegen mehrere Jugendliche, die ein seit Jahren in der Szene kursierendes Hinrichtungsvideo via Handy verbreitet hatten. „In den meisten Fällen können wir aber nichts gegen der Betreiber der Seiten unternehmen, weil sie etwa in den USA sitzen, wo die Filme unter freie Meinungsäußerung fallen“, sagte Schindler.

Für viele Jugendliche stellt das Anschauen und Tauschen von Gewaltfilmen nach Schindlers Beobachtung eine „virtuelle Mutprobe“ dar. „Früher haben die Jungen bei Metzgern Schweineaugen geholt und damit Passanten erschreckt“, sagte Schindler. „Mutproben wird es immer geben. Aber wenn man sich dabei am realen Leid anderer Leute ergötzt, verletzt das die Menschenwürde und ist unzulässig.“ Viele Tötungen in den so genannten Snuff-Filmen, die auf Websites angeklickt und auf Handys herunter geladen werden können, seien echt.

Die Filme können Jugendliche, aber auch Erwachsene verstören, ihnen Angst machen und seelische Verletzungen auslösen. Die langfristigen Folgen des Konsums von Gewaltdarstellungen seien bekannt, sagte Schindler. Nicht zuletzt werden Ausbrüche wie der Amoklauf des Erfurter Schülers Robert Steinhäuser im Jahr 2002 mit exzessivem Gewaltkonsum in Verbindung gebracht. Es gebe keine empirischen Daten, wie stark die Videos unter den zumeist zwölf bis 17 Jahre alten Interessenten verbreitet seien, sagte Schindler.

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