Kampf gegen die elektronische Werbeflut
Müll-Mails bedrohen die Wirtschaft

Die unerwünschete Werbeflut als E-Mails, so genannte Spam, verstopft nicht nur elektronische Briefkästen, sie gefährdet mittlerweile die gesamte Wirtschaft.

MÜNCHEN. Durch Werbung verstopfte Briefkästen sind schon seit Jahren ein Ärgernis. Zu einer wirklichen Plage ist die unerwünschte Werbeflut allerdings erst geworden, seit es E-Mails gibt. Doch die unerwünschte Post, so genannter Spam, verstopft nicht nur die elektronischen Briefkästen, sie gefährdet mittlerweile die gesamte Wirtschaft.

Die Dimensionen sind furchterregend: Nach Angaben der Marktforscher von IDC werden derzeit täglich über 30 Mrd. E-Mails versendet. Etwa die Hälfte davon sind unerwünschte Werbesendungen, die sich per Knopfdruck leicht vervielfältigen und versenden lassen. Allein bei AOL, einem der weltweit größten Diensteanbieter des Internets, schwillt die Reklameflut an manchen Tagen bis zu vier Fünftel des gesamten Mail-Volumens an.

Die wirtschaftlichen Auswirkungen sind enorm. Das Beratungsunternehmen Ferris Research aus San Francisco beziffert den Schaden, der durch den elektronischen Werbemüll entsteht, allein in den USA auf 10 Mrd. $. Weltweit soll die Summe bei etwa 15 Mrd. $ liegen.

Gemeinsam gegen die üble Welle

Die Mails kommen in einer schrillen Palette ins Postfach der Computer. Angebote für die Potenzpille Viagra oder für Penis-Verlängerungen sind an der Tagesordnung. Sogar Microsoft-Gründer und Milliardär Bill Gates muss leiden: „Ich bekomme jeden Tag unzählige Spam-Mails. Die meisten versprechen mir Rat, wie ich meine Schulden abbezahlen oder wie ich reich werden kann. Das ist doch völlig absurd.“

Die mit automatischen Suchprogrammen arbeitenden „Spamer“ nehmen keine Rücksicht, an wen sie ihre Offerten senden. So finden sich eindeutig an Männer gerichtete Sex-Angebote häufig auch in der E-Mail-Box von Frauen.

Der Druck ist mittlerweile so hoch, dass sich selbst langjährige Rivalen genötigt sehen, trotz allen Wettbewerbs gemeinsam gegen die üble Welle vorzugehen. So will der Online-Dienst von Microsoft künftig stärker mit AOL, Yahoo oder Earthlink zusammenarbeiten, um die Flut durch geeignete Filterprogramme einzudämmen. Microsoft hat Mitte Juni bereits Klagen gegen 15 Firmen und Personen eingereicht, die für einige Milliarden Spam- Mails verantwortlich sein sollen. In zahlreichen US-Bundesstaaten drohen Spam-Versendern empfindliche Strafen. Zudem berät das US-Parlament in Washington derzeit über gesetzliche Maßnahmen auch auf Bundesebene.

Auch Handy-Nutzer sind gefährdet

Experten raten Computer-Nutzern, E-Mails von unbekannten Absendern sofort zu löschen. Dabei ist besondere Vorsicht geboten, denn „Spamer“ sind wahre Meister im Tarnen von Absenderadresse und Betreff-Zeile. So sind in letzten Monaten Sexangebote immer häufiger als Antworten aus einem geschäftlichen Briefverkehr mit dem Antwortkürzel „Re:“ versandt worden. Besonders übel sind E-Mails, in denen Betrüger neugierige, aber ahnungslose E-Mail-Nutzer über Preisausschreiben auf Webseiten locken, die bei Anklicken eine teure Verbindung aufbauen, die sich in hohen Telefonrechnungen niederschlägt.

Spam beschränkt sich inzwischen aber nicht nur auf Werbemails. Oft wird auch elektronische Post verschickt, die vor Viren warnt und die Empfänger verunsichert. Darüber hinaus sind Handy-Nutzer gefährdet. Tausendfach werden Spam-SMS verschickt, in denen Telefonbesitzer dazu aufgefordert werden, teure Nummern zurück zu rufen.

Manchmal aber hat der Kampf gegen Spam nicht die erwünschten Folgen. Die Pfälzer Firma Gotomaxx weist darauf hin, dass immer häufiger wichtige E-Mails in den Filtern großer Internet-Anbieter hängen bleiben. Und nicht immer sind die großen Konzerne in ihrem Vorgehen erfolgreich. Ein US-Gericht erlaubte am Montag einem entlassenen Intel-Angestellten, Mails an alle Beschäftigten des Chipherstellers gleichzeitig abzuschicken. Die Begründung: Der Mann mache nur von seiner Meinungsfreiheit Gebrauch.

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