Kampf gegen Onlinebetrüger
Kommentar: Banken schützen Kunden und Geschäftsmodel

Das Online-Banking ist durch die Angriffe aus dem Internet bedroht. Die Geldinstitute nehmen jetzt den Kampf gegen den Onlinebetrug ihrer Kunden auf – im eigenen Interesse.

Es hört sich generös an: Per Rasterfahndung will die Onlinetochter der Frankfurter Sparkasse gegen die Online-Spionage von Kontodaten vorgehen. Allerdings handelt es sich hier nicht um Wohltätigkeit der Institute gegenüber ihren Kunden, sondern um den Kampf für ein Geschäftsmodel. Im Rahmen der Kostenreduzierungen haben die Banken ihre Filialnetze ausgedünnt und den Personalbestand reduziert. Der Kunde holt sein Geld heute nicht vom freundlichen Kassierer sondern vom Bankautomaten ab. Überweisungen, möglichst mit der Hand geschrieben, sind teuer, denn sie müssen mehr oder weniger manuell erfasst werden.

Mit den Segnungen des Internet begann der Kreuzzug der Banken für das Online-Banking. In den leuchtenden Farben wurden die Vorzüge geschildert. Jederzeit auf das Konto zugreifen zu können, Überweisungen bequem von zu Hause tätigen, keine Schalter, die immer dann geschlossen sind, wenn man sie braucht. Das alles bedeutet für die Geldinstitute Kostenreduzierung. Der Kunde gibt seine Belege selbst ein. Alles andere erledigen die Computer, ohne manuelles Zutun, effektiv und billig.

Während für Banknoten, Wertpapiere und Münzen überall Tresore zu finden sind, gehen die Banker mit dem virtuellen Geld ihrer Kunden sorgloser um. Mit PIN und TAN werden die Überweisungen gesichert. Auf den ersten Blick ein zuverlässiger Schutz. Allerdings sind Betrüger immer schon erfinderisch gewesen und Kunden halten ihre Bank zu Recht für vertrauenswürdig. Wie ein geschickter Betrüge an der Haustür missbrauchen die Online-Betrüger gerade dieses Vertrauen. Sie verschicken mit Spam-Methoden E-Mails, die den Anschein erwecken, sie kämen von der Hausbank. Zu gutgläubig klicken viele Anwender dann auf Links in diesen Mails, landen damit auf der gefälschten Webseite und geben so ihre vertraulichen Daten preis. Dann sind sie schutzlos den Betrügern ausgeliefert.

Nachdem Experten wie der Karlsruher Virus-Spezialist Christoph Fischer vor den Gefahren beim Homebanking warnen, sehen die Banken ihr Geschäftsmodel gefährdet. Wenden sich die Kunden wieder vom elektronischen Geldverkehr ab, heißt das, es muss wieder in Zweigstellen, Personal und manuelle Dienstleistung investiert werden. Denn die verunsicherten Kunden wenden sich dann womöglich wieder verstärkt den Instituten zu, die sie auch ohne Internet und die daraus resultierenden Gefahren betreuen.

Die jetzt eingeleiteten Aktivitäten der Onlinetochter der Frankfurter Sparkasse mit der so genannten Rasterfahndung ist sicherlich ein erster Schritt, neues Vertrauen zu schaffen. Allerdings sind die Frankfurter nicht die ersten, die aktiv werden. Schon im Mai verkündete das Kreditkartenunternehmen Mastercard, dass es aktiv das Internet nach Betrügern untersucht.

Allerdings erscheinen die Versuche noch sehr rudimentär. Das Internet nach Betrügern zu durchsuchen, die sich weltweit verstecken können, ich schwerer als die sprichwörtliche Nadel im Heuhaufen zu finden. Erfolge werden so Zufallstreffer bleiben. Dabei gibt es eine technische Lösung, die die Sicherheit des Online-Banking wesentlich verbessern könnte. In Italien ist sie vom Parlament beschlossen worden und in Südtirol soll sie zu Beginn des kommenden Jahres eingeführt werden: Die Signaturkarte. Auf dieser Smart-Card sind die vertraulichen Informationen besser geschützt, als im Mailordner auf dem Rechner. Und nur wer Karte und PIN-Code besitzt, kommt auch an das Geld auf dem Konto.

Nur wenn die Geldinstitute sich endlich durchringen, flächendeckend Signaturkarten auszugeben und in die entsprechende Infrastruktur zu investieren, hat Online-Banking eine Überlebenschance.

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