Kampf gegen Werbe-E-Mails
Deutschland – Paradies für Spammer

91 Prozent aller E-Mails sind Spam. Der Kampf dagegen ist in Deutschland aber so gut wie aussichtslos. Das musste im vergangenen Jahr auch der Bundesverband der Verbraucherzentralen lernen. Er schließt deshalb seine Beschwerdestelle Spam. Experten fordern Lösungen auf einer höheren Ebene.

DÜSSELDORF. „Mit der Beschwerdestelle haben wir in vielen Fällen nur falsche Hoffnungen geweckt“, sagt Patrick von Braunmühl, Leiter des Fachbereichs Wirtschaft beim Bundesverband der Verbraucherzentralen (VZBV). 2,3 Millionen Beschwerden sind unter beschwerdestelle@spam.vzbv.de bis heute eingegangen. Das sind rund 6 300 Emails am Tag. 85 Prozent davon waren internationale Spam-Emails. Das heißt, der Versender der Spam kam aus dem Ausland. Damit sind den deutschen Behörden die Hände bei der Verfolgung gebunden. Der Verband kann in einem solchen Fall nichts anderes tun als die Email an die jeweiligen nationalen Behörden weiterzuleiten – für die meisten Verbraucher eine Enttäuschung.

Allein von September bis November stieg der Spam-Anteil um 59 Prozent. Dies hat Postini, ein Anbieter von Mail-Management-Systemen, mitgeteilt. Im Rahmen eines vom Bundesverbraucherministerium geförderten Projekts gegen Spam hatte der VZBV eine zentrale Emailadresse eingerichtet, an die Verbraucher Spam-Emails weiterleiten konnten. Kurz vor Ablauf des Teil-Projektes „Beschwerdestelle Spam“ zieht Patrick von Braunmühl, Leiter des Fachbereichs Wirtschaft beim Bundesverband der Verbraucherzentralen, eine ernüchternde Bilanz: „Letztlich konnten wir das Problem nicht essentiell reduzieren.“

Die Europäische Union hat einen EU-weiten volkswirtschaftlichen Schaden durch Spam-Mails von 2,5 Milliarden Euro errechnet. Der Hauptteil der Kosten entfällt auf die Empfänger und Provider, nämlich für das oft zeitintensive Herunterladen der Emails und den dafür benötigten Speicherplatz. Selbst wenn nur wenige Empfänger durch Bestellungen auf eine Serienmail reagieren, wird die Gewinnspanne des Spammers oder seines Auftraggebers enorm in die Höhe getrieben. „Spamming hat sich als erfolgreiches Geschäftsmodell etabliert“, sagt Sven Karge, Leiter der Initiative Anti-Spam beim Verband der deutschen Internetwirtschaft Eco.

Die rechtliche Verfolgung von Spammern in Deutschland ist momentan noch so gut wie unmöglich. „Deutschland ist für Spammer das wahre Paradies“, sagt deshalb auch Verbraucherschützer von Braunmühl. In Italien droht Spammern eine Strafe von bis zu zwei Jahren Gefängnis, in den USA sogar bis zu fünf. In Deutschland droht noch nicht einmal ein Bußgeld. „Hier sehen wir ganz starken Handlungsbedarf“, sagt von Braunmühl.

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