Kannibalisierungs-Ängste
Netz-Anbieter bremsen Trend zur Internet-Telefonie

Telefonie über Datennetze gehört in den Unternehmen bei Festnetzanschlüssen längst zum IT-Alltag. Mobil ist das noch kompliziert. Drahtlose Datendienste sind meist teuer, bei Flatrates wird die Internet-Telefonie ausgesperrt. Schließlich wollen die Mobilfunker nicht das eigene Telefonie-Business kannibalisieren. Bis mobile Internet-Telefonie richtig Spaß macht, muss auch noch die Reichweite und die Zuverlässigkeit der mobilen Datennetze verbessert werden.

TÜBINGEN. „Sobald die Versorgung mit UMTS schlecht ist, funktioniert mobile Internet-Telefonie nicht vernünftig“, so Andreas Zilch, Analyst bei Experton. „Viele Mobilfunk-Provider, die Datendienste anbieten, sind aber auch gar nicht daran interessiert, dass man damit auch per Internet telefonieren kann“. Einzige Ausnahme bislang: E-Plus. Der Anbieter hat seinen Service für seinen Internet-Kooperationspartner Skype geöffnet. „Das war das erste Mal weltweit, dass es zu einer solchen Kooperation gekommen ist“, so Zilch.

Wer Skype-Software installiert hat, kann über das E-Plus-Netz sowohl innerhalb der Skype-Gemeinde telefonieren als auch Festnetz- oder Mobilnetznutzer erreichen. Bei Skype werden unterschiedliche Dienste angeboten. Alle Benutzer können zunächst mit anderen Skypern kommunizieren. Wer auch von Benutzern anderer Netze erreicht werden will, muss einen Extraservice buchen. Und wer selbst mit Nicht-Skypern in Kontakt treten will, braucht dazu den Dienst Skype out, der ebenfalls extra kostet. Mittlerweile sind beide Angebote in Deutschland verfügbar, möglich ist auch eine Kombination mit der Datenflatrate von E-Plus.

Interessant ist Skype im Besonderen für Telefonate ins Ausland, die ansonsten per Handy immer noch sehr teuer sind. Das gilt auch für Business-Kunden, die nach Angaben von Tim von Törne, Manager für Deutschland, Österreich und die Schweiz bei Skype, mittlerweile immerhin 30 Prozent der Nutzer ausmachen. E-Plus lässt allerdings lediglich Skype zu. Konkurrierende Services, die das Internet-Protokoll SIP nutzen, werden ausgesperrt.

Andere Netzanbieter verhalten sich zur Nutzung von Internet-Telefonie über Datenflatrates ambivalent. Vodafone etwa behält sich die Sperrung von Voice over IP im Kleingedruckten seiner Verträge über mobile Datendienste vor. Bislang konnte sich aber kein Netzbetreiber dazu durchringen, mobile Internet-Telefonie komplett zu unterbinden. Es gibt jedoch auch andere Möglichkeiten, den Trend zur Internet-Telefonie zu bekämpfen. So können die Netzanbieter den Datenverkehr analysieren und den Paketen, die Telefoniedaten befördern, eine niedrige Priorität bei der Weiterleitung zuordnen. Dadurch verschlechtert sich die Sprachqualität deutlich. „Die Provider sagen natürlich nichts darüber, ob sie solche Verfahren anwenden“, so Andreas Zilch.

Skype und andere Internet-Telefoniedienste werden derzeit in der Regel nicht als Ersatz, sondern als Ergänzung zu Mobil- oder Festnetzanschlüssen benutzt. Einige Betreiber wollen dies ändern. So vermarktet Sipgate seine Angebote als komplette Alternative zum fixen Telefon. Kostenlose Gespräche sind nicht nur zu den Teilnehmern des eigenen Netzes, sondern auch zu denen zahlreicher anderer Internet-Telefoniedienstleister möglich. Die haben generell mittlerweile die Notwendigkeit erkannt, die Akzeptanz durch eine Vernetzung mit anderen Anbietern zu erhöhen, um Skype überhaupt noch Paroli bieten zu können.

„Mittelfristig könnten auch Dienste wie Skype die Festnetztelefonie nicht nur ergänzen, sondern auch ersetzen“, meint Zilch. Das wird jedoch noch eine Weile dauern. Eine der Voraussetzungen sind sinkende Preise für mobile Datendienste, vor allem bei internationalen Verbindungen. „Diese Entwicklung zeichnet sich derzeit bereits deutlich ab“, so Zilch. Der Vorteil der Internet-Telefonie ist dabei zum einen, dass die Kosten durch Flatrates kalkulierbar sind. Der viel wichtigere aber ist der, dass Geschäftsleute dann einfacher unter einer einheitlichen Nummer erreichbar sind – egal, ob sie am Arbeitsplatz, auf einer Dienstreise oder am heimischen Schreibtisch sind. Bis ein solches Szenario Realität wird, müssen aber die noch offenen Sicherheitsfragen gelöst werden. Derzeit raten deshalb einige Analysten noch komplett von der Nutzung des Dienstes durch Unternehmen ab.

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