Kartellverfahren eröffnet
EU-Kommission knöpft sich Apple vor

Apple ist ins Visier der europäischen Wettbewerbshüter geraten. Die EU-Kommission wirft dem US-Computerkonzern Marktabschottung in Europa vor und hat daher ein Kartellverfahren eingeleitet. Im Fokus steht dabei insbesondere der populäre Online-Musikladen iTunes.

HB BRÜSSEL. Die EU-Kommission will für iTunes-Kunden mehr Wahlfreiheit erkämpfen. Wer im iTunes-Shop einen Titel herunterladen will, um ihn etwa auf seinem iPod-Abspielgerät zu hören, kann dies aktuell nur in der Online-Filiale seines Heimatlandes. Dadurch würden die Kunden in ihrer Auswahl beschränkt. Die Kommission betonte, das Verfahren richte sich nicht gegen Apples Kopierbeschränkungen. Auch werde Apple keine marktbeherrschende Stellung zugeschrieben. Damit würden besondere Verpflichtungen einhergehen.

Das Heimatland eines Kunden wird nach Darstellung der Kommission über die Kreditkartennummer überprüft: Jemand mit deutscher Kreditkarte könne etwa nur die für den deutschen Markt vorgesehenen Titel kaufen, nicht aber die im iTunes-Geschäft eines anderen EU-Staates. Die entsprechenden Verträge zwischen Apple und den Musikanbietern beinhalteten regionale Verkaufsbeschränkungen, die gegen EU-Wettbewerbsrecht verstießen, erklärte die Kommission.

Die EU-Kommission nannte als Beispiel, dass ein Kunde, der einen Song aus dem iTunes Store in Belgien kaufen wolle, eine Kreditkarte brauche, die von einer Bank in Belgien ausgestellt sei. Die Preise, die Apple für einen Song verlangt sind in den einzelnen EU-Staaten unterschiedlich. So kostet er in Großbritannien umgerechnet 1,17 Euro, in Dänemark 1,07 Euro und in Deutschland und Belgien 0,99 Euro.

Medienberichten zufolge betrifft das Verfahren die Musikfirmen auch Sony BMG Music Entertainment, Universal Music, Warner Music und Emi. Apple hat nun zwei Monate Zeit, um auf die Vorwürfe der Kommission zu reagieren.

Apple-Sprecher Steve Dowling erklärte, Apple wolle ein einheitliches Musikportal in Europa betreiben. Die Musikfirmen hätten die dahin gehenden Rechte aber eingeschränkt. Apple arbeite mit der EU zusammen, um das Problem zu lösen.

In eine andere Richtung als das Verfahren der EU-Kommission gingen bislang vorwiegend die Klagen der europäischen Verbraucherschützer. Diese kritisierten, dass sich ein bei iTunes gekaufter Songs nur auf den tragbaren iPod-Playern von Apple abspielen lasse. Diese enge Verbindung von Download-Angebot und Abspielgeräten wollten sie beseitigt sehen. Sie fordern, der Konsument müsse die freie Wahl haben, auf welchem Gerät er seine Lieder abspiele.

Nach Angaben des US-Marktforschers NPD hat Apples mit iTunes einen Marktanteil von 70 Prozent bei den kostenpflichtigen Musik-Downloads.

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