Kein Durchbruch kostenpflichtiger Angebote
Internet-Sufer wollen einfach nicht zahlen

Mitten in der Krise von Medien und New Economy entdeckten die Verlage vor rund zwei Jahren eine neue Einnahmequelle: „Surfer sollen zahlende Kunden werden“ und „Zeitungen und Zeitschriften im Netz bald kostenpflichtig“ war zu lesen. Seitdem gibt es zahlreiche Versuchsballons, doch die erhoffte Trendwende im Internet-Nachrichtenmarkt ist bislang ausgeblieben.

HB/dpa HAMBURG. Im Internet sind Informationen weiterhin meist kostenlos zu haben. „Die Bereitschaft der Konsumenten, für Internet-Informationen zu bezahlen, ist noch ziemlich gering“, sagt Christoph Nogly vom Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV). „Die Nutzer müssen erst langsam lernen, dass im Internet nicht alles kostenlos zu haben ist.“

Gleichzeitig bereitet den Verlagen die große Konkurrenz der Nachrichtenanbieter im Internet Probleme bei der Einführung von Bezahlseiten. „Sobald die Menschen Inhalte auf anderen Seiten kostenlos finden, haben sie Probleme, wenn man von ihnen Geld für Informationen verlangt“, sagte Stefan Michalk von Gruner + Jahr.

Sein Verlag lege den Schwerpunkt der Internetaktivitäten deshalb auf service-orientierte Angebote. Die verlagseigenen Zeitschriften bieten unter anderem kostenpflichtige Datenbanken mit Bauplänen und Rezepten, bei denen die Internetnutzer anhand von eigenen Kriterien ihr Wunschrezept auswählen können. „Wir verzeichnen in diesem Bereich zwar starke Zuwächse, aber das ganze befindet sich immer noch auf niedrigem Niveau“, sagte Michalk zur Umsatzentwicklung.

Auch die Tomorrow Focus AG ist nach eigenen Angaben zufrieden mit der Nachfrage nach Datenbanken, die gegen bare Münze unter anderem günstige Versicherungsangebote ermitteln oder die Höhe der Unterhaltszahlungen bei einer Scheidung ausrechnen. „Wir gehen aber davon aus, dass wir bis 2005 maximal zehn Prozent unseres Umsatzes im Paid-Content-Bereich umsetzen werden“, sagt Firmensprecherin Ariane Meynert. Derzeit sei der Anteil des Bezahlangebots am Gesamtumsatz noch „verschwindend gering“.

Einen anderen Weg schlagen die Zeitungen des Madsack-Verlages („Hannoversche Allgemeine Zeitung“, „Neue Presse“) ein: Seit vier Wochen ist auf den Internetseiten nur noch eine kleine Auswahl der Informationen frei verfügbar. Wer mehr wissen will, muss ein Abo der Printausgabe erwerben und bekommt damit Zugang zum Internet-Angebot unter dem Titel Abo-Plus. Rund 4000 der 220 000 Abonnenten hätten sich bisher für den Dienst registrieren lassen, sagt der Internet- Bereichsleiter des Verlages, Hans-Jürgen Theinert. Die Zugriffszahlen seien dadurch ersten Statistiken zu Folge keineswegs eingebrochen.

Das frühere Gratisangebot der verlagseigenen Zeitungen im Internet habe insbesondere den Einzelverkauf am Wochenende erschwert, sagte Theinert. „Wenn ich die Rubrikenanzeigen im Internet kostenlos abrufen kann, warum sollte ich mir dann noch die Zeitung kaufen?“

Bei der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (FAZ) denkt man neben dem bestehenden kostenpflichtigen Internet-Archiv und dem Internet- Angebot für Abonnenten inzwischen sogar über ein reines Online-Abo nach. Dieses dürfe aber weder die Auflage noch die Reichweite der Printausgabe verringern, sagte der kaufmännische Leiter der Internet- Tochter faz.net, Alexander Fallier. Mit dem seit Juni bestehenden Angebot der kompletten FAZ im Internet könnten neue Kunden gewonnen werden, sagte Fallier. Insbesondere im Ausland gebe es noch ein Leserpotenzial, das die Printausgabe bisher zu spät erreiche.

Nach Einschätzung des BDZV wird es jedoch auch in Zukunft kostenlose Internetseiten der Zeitungen geben. Die Konkurrenz der großen Verlage und Fernsehsender sei einfach zu groß, als dass sie darauf verzichten könnten, sagte Nogly. Viele Zeitungen nutzten ihre Webseiten für die Imagepflege und zur Gewinnung neuer Abonnenten. Beispiele wie die amerikanischen Zeitungen „New York Times“ und „Wall Street Journal“ zeigten, dass die Verlage sowohl mit kostenpflichtigen als auch mit werbefinanzierten Internet-Angeboten Gewinne erzielen könnten.

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