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Keine Angst vor China: Taiwan sieht sich weiter an der Spitze

Die Entwicklung der Chipbranche in der Volksrepublik China macht Taiwan keine Angst. „Manche Leute verwechseln da etwas“, sagte die taiwanische Wirtschaftsministerin Mei-Yueh Ho der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX am Donnerstag in Berlin.

dpa BERLIN. Die Entwicklung der Chipbranche in der Volksrepublik China macht Taiwan keine Angst. „Manche Leute verwechseln da etwas“, sagte die taiwanische Wirtschaftsministerin Mei-Yueh Ho der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX am Donnerstag in Berlin. Taiwan sei mit einem Marktanteil von 72 Prozent das Zentrum der Chip-Auftragsherstellung.

„Eine derartige Konzentration gibt es nirgendwo sonst“, sagte Ho. „In China ist nur eine Anlage im Bau, in der auf Basis von 300-Millimeter-Siliziumscheiben Chips hergestellt werden sollen. In Taiwan sind es sechs, die 2006 die Massenproduktion aufnehmen werden. Vier sind bereits in Betrieb.“ 20 Werke produzierten auf Basis von 200-Millimeter-Scheiben.

„System on a Chip“ (SOC) heißt das Zauberwort, mit dem sich Taiwan an der Spitze halten will. Dabei geht es darum, alle Funktionen, für die im Computer die Hauptplatine (Motherboard) zuständig ist, auf einem Chip unterzubringen. Entsprechend den unterschiedlichen Anforderungen der Auftraggeber müsse individuell produziert werden. „Das kann man nur in dem Land, in dem auch die Chipfabriken stehen“, sagte Ho. „Sie brauchen Chip-Designer, Chiphersteller und Systemintegratoren vor Ort.“ Beim Design integrierter Schaltkreise (IC, Integrated Circuit) sei Taiwan mit einem Marktanteil von 28 Prozent die Nummer zwei nach den USA. Fünf der weltweit führenden Unternehmen befinden sich in der Inseldemokratie.

Inzwischen hätten sich auch taiwanische Marken in Westeuropa durchsetzen können. So habe der Computerhersteller Acer mit einem Wachstum von 67 Prozent im zweiten Quartal diesen Jahres Hewlett- Packard bei IT-Produkten vom ersten Platz verdrängt. Aber Chips finden sich nicht nur in IT-Produkten. In Zukunft will Taiwan ein Drittel der Autokomponenten mit IT-Bezug für den asiatischen Markt herstellen, sagte Ho. Der asiatische Markt biete große Wachstumschancen. Ab einem jährlichen Einkommen von 3 000 Dollar begännen sich die Menschen von Indien bis China für den Kauf eines Autos zu interessieren. Derzeit würden in Asien insgesamt rund 20 Mill. Autos abgesetzt.

„Aber nicht in jedem Land kann man Autokomponenten herstellen“, sagte Ho. „Sie können sich gar nicht vorstellen, was man an Komponenten benötigen wird.“ Eine Wirtschaftsdelegation unter Führung der Ministerin habe bereits den deutschen Autozulieferer Bosch auf eine mögliche Zusammenarbeit angesprochen. „Die Zulieferer werden in Zukunft so wichtig sein wie die Autobranche selbst.“

Der nicht nur für die IT-Branche sehr wichtige Schutz von geistigem Eigentum werde in Taiwan sehr ernst genommen. „Den Übergang von der Industrie- zur Wissensgesellschaft können wir nur schaffen, wenn wir das geistige Eigentum derjenigen schützen, die bei uns forschen und entwickeln“, sagte Ho. Taiwan werde in seinen Bemühungen zur Bekämpfung der Piraterie nur von Japan übertroffen. Für die Zukunft sei die Schaffung eines speziellen Gerichts für Fragen des geistigen Eigentums geplant.

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