Keine Chance gegen Android Microsoft beerdigt Windows 10 für Smartphones

Gegen iPhones und Android-Geräte ist kein Ankommen: Microsoft entwickelt das Betriebssystem Windows 10 Mobile nicht weiter, wie ein Manager bestätigt. Eines Tages könnte es aber wieder Smartphones mit Windows geben.
Update: 09.10.2017 - 14:41 Uhr 4 Kommentare
Der Microsoft-Manager Joe Belfiore rät Windows 10 Mobile ab – und beerdigt damit das hauseigene Smartphone-Betriebssystem. Quelle: dpa
Windows 10 auf dem Smartphone

Der Microsoft-Manager Joe Belfiore rät Windows 10 Mobile ab – und beerdigt damit das hauseigene Smartphone-Betriebssystem.

(Foto: dpa)

DüsseldorfEs kommt selten vor, dass Manager sich öffentlich von Produkten aus dem eigenem Haus distanzieren. Umso bemerkenswerter ist die Aussage von Joe Belfiore, der bei Microsoft die Entwicklung der Betriebssysteme leitet. Ein Twitter-Nutzer fragte ihn am Sonntag, ob es Zeit sei, künftig auf Windows 10 Mobile zu verzichten – also die Software für Smartphones. Die Antwort des Managers dürfte Fans schockieren.

Der Konzern will zwar weiter Fehler ausbessern und Sicherheitslücken schließen, aber neue Funktionen und neue Hardware seien „nicht im Fokus“, erklärte Belfiore. Die Weiterentwicklung von Windows 10 Mobile endet also. Er selbst nutze bereits eine andere Plattform, ließ der Manager wissen, wegen der Auswahl bei Apps und Hardware. „Choose what’s best 4 u“, schob er in der üblichen Abkürzung hinterher: Sucht euch das aus, was am besten für euch ist.

Besonders überraschend ist die Aussage nicht: Microsoft ließ in den vergangenen Jahren immer weniger Ehrgeiz erkennen, das eigene Betriebssystem für mobile Geräte weiterzuentwickeln, und investierte zeitgleich in Apps für die Plattformen iOS von Apple und Android von Google. Auch neue Hardware war Mangelware. Doch so deutlich hat sich bislang keine Führungskraft des Konzerns geäußert.

Eines der größten Probleme ist nach Einschätzung von Belfiore das geringe Angebot an Apps. Microsoft habe zwar versucht, den Entwicklern Anreize zu geben – der Konzern habe ihnen Geld gezahlt und sogar die Mini-Programme für sie entwickelt –, ,„aber die Zahl der Nutzer ist für die meisten Firmen zu niedrig, als dass sie investieren würden“. Es ist ein Teufelskreis: Ohne attraktive Apps halten sich die Käufer zurück. Aber ohne Käufer lohnt sich die Entwicklung von Apps nicht.

Die Vereinheitlichung mit Windows 10 hat offenbar wenig geholfen. Die neue Version des Betriebssystems nutzt auf allen Plattformen den gleichen Kern, von der interaktiven Tafel Surface Hab über Notebooks und Smartphones bis zur Datenbrille Hololens. Damit ist es für Entwickler möglich, Anwendungen mit geringem Aufwand anzupassen – PC-Programme etwa für Smartphones. Doch auch das half wenig: Der Marktanteil von Windows lag 2016 bei weniger als einem Prozent.

Auch Partner verloren den Glauben an das Betriebssystem. Nur noch wenige Hardware-Anbieter nutzen das System noch. Erst vor wenigen Tagen erklärte der größte PC-Hersteller HP, dass er künftig nicht mehr mit dem mobilen Betriebssystem arbeiten werde. Microsoft habe eine neue Strategie beschlossen und unterstütze die Software nicht mehr, begründete ein Manager den Schritt.

Microsoft selbst übernahm 2014 für 9,5 Milliarden Dollar den Handyhersteller Nokia, konnte sich aber mit den Lumia-Modellen nicht gegen die Konkurrenz durchsetzen. Der Konzern stricht in der Folge Tausende Stellen und schrieb die Firmenwerte ab. Auch mit früheren Betriebssystemen für mobile Geräte wie Windows Mobile konnte sich der Konzern nicht behaupten.

Hassobjekt, Marktbeherrscher, Nachahmer
Gründertruppe
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Die Belegschaft von Microsoft im Jahr 1978 mit den beiden Microsoft-Gründern Bill Gates (erste Reihe, links) und Paul Allen (erste Reihe, rechts). Gegründet wurde die Firma am 4. April 1975 in Albuquerque, New Mexico. (Foto: Microsoft/dpa)

Gründer Bill Gates (r.) und Paul Allen
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Im Jahr 1981 posieren Bill Gates (rechts) und Paul Allen.

Bill Gates hat sich mittlerweile auf eine Beraterrolle im Unternehmen zurückgezogen und ist als Philanthrop tätig. Paul Allen hat ebenfalls Milliarden mit Microsoft gemacht, spendet einen Teil seines Vermögens. Er investiert aber auch etwa in Sport-Mannschaften. Ihm gehören die Seattle Seahawks (American Football) und die Portland Trail Blazers (Basketball).

MS DOS
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Die Basis für den Firmenerfolg legten Allen und Gates mit dem Betriebssystem MS-DOS, das Computern Leben einhauchte. Die grafiklose Bedienoberfläche war lange ein Weg, um auch das spätere Betriebssystem Windows aus dem Hause Microsoft zu konfigurieren. In Abwandlungen hat die grafiklose Bedienoberfläche bis heute überlebt.

Windows 1.0
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Die Packung der ersten Version des Betriebssystems Microsoft Windows. Das damals als Erweiterung zu MS-DOS veröffentlichte Programm kam erstmals 1985 auf den Markt. In den Folgejahren sollte Windows das Fundament für ein Milliardenimperium werden. Es war allerdings nicht das erste Betriebssystem mit grafischer Benutzeroberfläche – IBM und Apple hatten bereits vorher die Idee umgesetzt. (Foto: Szilveszter Farkas)

Der junge Bill Gates
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Ein undatiertes Foto zeigt den jungen Bill Gates in seinem Arbeitszimmer. Zum Start von Windows 1.0 gab es weltweit lediglich sechs Millionen Personal Computer. Erst rund fünf Jahre später, im Jahr 1990, gelang dem Software-Entwickler aus Redmond ein durchschlagender Erfolg mit Windows 3.0.

Windows 95
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Bill Gates bei der Präsentation der Version 95 des Betriebssystems im Jahr 1995. Vor allem die dafür entwickelten Büroprogramme wie Word, Excel und Powerpoint helfen Microsoft, den Marktanteil Mitte und Ende der 90er-Jahre auf über 90 Prozent auszubauen.

Apple versus Microsoft
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1998 präsentiert der mittlerweile verstorbene Apple-Chef Steve Jobs „Microsoft Office Macintosh Edition“. Damals hauchte die Microsoft-Software dem darbenden Konkurrenten Apple Leben ein. Doch mittlerweile stellt Apple den Rivalen aus Seattle in vielen Belangen in den Schatten.

Microsoft-Chef Satya Nadella forciert stattdessen die Entwicklung von Apps für andere Plattformen. Nach seinem Amtsantritt 2014 gehört es zu seinen ersten Ankündigungen, das Office-Paket auch fürs iPad anzubieten – sein Vorgänger Steve Ballmer hatte das verhindert, um das eigene Tablet-Modell Surface zu stärken. Auch andere Dienste und Programme wie Onedrive, Skype oder Outlook laufen auf iPhones und Android-Geräten. Jüngst kündigte der Konzern an, seinen Browser Edge für Android anzupassen. Kurz gesagt: Windows hat längst nicht mehr Vorrang.

Microsoft wird Windows für Smartphones nicht abrupt aufgeben. „Viele Firmen stellen die Software ihren Mitarbeitern noch zur Verfügung, und wir werden sie unterstützen“, erklärte Belfiore. Es ist aber absehbar, dass der Konzern über kurz oder lang die Unterstützung für Windows 10 Mobile einstellen und damit auch keine Updates mehr herausgeben wird.

Trotzdem könnte es weiter Windows auf Smartphones geben. Medienberichten zufolge arbeitet Microsoft unter dem Codenamen „Andromeda OS“ an einem Betriebssystem, das auf allen Geräten laufen soll, auch auf Smartphones. Mit ersten Geräten sei aber nicht vor 2018 zu rechnen, schreibt die Microsoft-Spezialistin Mary Jo Foley vom Technologieblog ZD-Net.

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4 Kommentare zu "Keine Chance gegen Android: Microsoft beerdigt Windows 10 für Smartphones"

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  • gut so. Schlage den feind mit seinen waffen.

  • "Microsoft entwickelt das Betriebssystem Windows 10 Mobile nicht weiter, wie ein Manager bestätigt. Eines Tages könnte es aber wieder Smartphones mit Windows geben"

    Finde ich richtig so. If you can't beat them - mach' klare Ansagen und konzentrier' Dich dann erst einmal auf das, was Du besser kannst.

  • Bill Gates sowie die Leidtragenden dieses Oligopols dürfen sich hierfür bei Steve Ballmer bedanken.

  • Das hat Ballmer damals verbockt. Windows hatte ja die ersten Smartphones überhaupt auf Windows CE-Basis, bevor Ballmer es in einem Wutanfall einstampfen und lieber etwas ganz neues entwickeln lies. Das hat dann natürlich lange gedauert und da sind alle anderen vorbeigezogen.

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