Kim Schmitz: Der Sturz des „Kimperiums“

Kim Schmitz
Der Sturz des „Kimperiums“

Schnelle Autos, schöne Frauen, illegale Straßenrennen – Kim Schmitz, schillernde wie verhasste Figur der Dotcom-Szene, war schon immer für Schlagzeilen gut. Nun machte die US-Justiz sein Baby Megaupload dicht.
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DüsseldorfSeinen 38. Geburtstag musste „Kim Dotcom“, wie er sich inzwischen nennt, in Untersuchungshaft feiern. Doch das war für Kim Schmitz nicht die erste Begegnung mit der Justiz. Er wurde schon in Deutschland wegen Betrug, Computerbetrug, Bandenhehlerei, Missbrauch von Titeln, Insiderhandel und Veruntreuung verurteilt.

Schon am Beginn seiner Karriere steht kriminelle Energie: Schmitz gehört als Jugendlicher zur illegalen Mailbox-Szene. Auf Computern, die direkt per Telefonanschluss verbunden waren, wurden damals – vor dem Durchbruch des Internets in Deutschland – Dateien getauscht, vor allem illegal kopierte Programme.

Evrim Sen, Autor mehrerer Bücher über die Szene, war damals im gleichen Umfeld aktiv und kennt Kim Schmitz persönlich. „House of Coolness“ hieß die Mailbox, die Schmitz seinerzeit betrieb. „Er zählte sich zur Elite der Hacker“, so Sen.  „Er hatte nicht viele Freunde.“ Denn für die meisten war die Mailbox-Aktivität ein Hobby, „das Finanzielle stand nicht im Vordergrund“.

Schmitz war anders: Für den geschlossenen Bereich seines „House of Coolness“ verlangte er Geld. Dafür bekamen die Nutzer die Möglichkeit unbegrenzt von der Mailbox zu laden – das Modell Megaupload, nur in vielen Dimensionen kleiner. „In der Szene war das verpönt“, sagt Sen.

Schmitz will Geld

Doch Schmitz belässt es nicht bei seinen kostenpflichtigen Premium-Bereich der illegalen Mailbox, er wollte richtig Geld verdienen. „Er hat damals im großen Stil sogenannte Calling Cards in der Szene verkauft“, berichtet Lars Sobiraj, Autor bei dem Portal Gulli.com. Sobiraj war damals selbst Teil der sogenannten „Warez“-Szene, eine „Jugendsünde“, wie er sagt. Die Calling Cards waren gestohlen, mit ihrer Hilfe ließen sich Telefon-Gespräche führen.

Zeitgleich kursierten Anleitungen in der Szene, wie sich auch kostenlos Telefongespräche führen ließen. Dieser Gratis-Konkurrenz bereitet „Kimble“, wie er sich damals nennt, durch einen TV-Auftritt ein Ende. Den Autoren der WDR-Sendung „Monitor“ demonstriert er das Verfahren, die Telekom unterbindet es daraufhin.

Vor der Kamera gibt sich Schmitz als Hacker aus, seine Fähigkeiten werden allerdings angezweifelt. „Er ist kreativ, aber er kann nicht wirklich programmieren – und das schließt ihn als Hacker im Grunde schon prinzipiell aus“, sagt Sen. CCC-Sprecher Bogk sagt: „Er ist sicherlich nicht komplett dumm, hat es aber immer eher geschafft, technisch kompetente Leute um sich zu scharen.“

Doch die Demonstration der in der Szene damals üblichen illegalen kostenlosen Anrufe reicht, um „Kimble“ als Hacker zu etablieren – zumindest bei den Medien. Es folgen zahlreiche Auftritte in denen der stets selbstbewusst auftretende „Kimble“ seine angeblichen Fähigkeiten demonstriert – meist tritt der bullige und hochgewachsene Schmitz dabei mit Sonnenbrille auf.

Kommentare zu " Kim Schmitz: Der Sturz des „Kimperiums“"

Alle Kommentare
  • ^^ sehr nice ...

  • Bei Flickr fehlen die Bilder, wie der Typ mit dem Tieflader abtransportiert wird.

  • eigentlich bin ich ja gegen die Todesstrafe.

  • Venezuela, Kuba oder Russland wären als Standort ideal gewesen. Iran ist vielleicht ein bisschen zu konservativ für Kims Lebensstil.

  • So einer kommt "nur" zu so einer glorreichen "Karriere". Könner brauchen keine Tricks und keinen Betrug, die schaffen es weil sie GUT sind. So einer blendet nur die Mittelmäßigen und von denen gibt es immer mehr als die Hälfte. Bei solchen Leuten von Respekt zu reden, zeigt wo noch Pampers getragen werden.

  • Das ist schon eine bizarre Geschichte. Man muss sagen das es von KS letztendlich dumm war sich in Neuseeland niederzulassen, einem Land das mit der USA kooperiert. Am sichersten hätte er seine Machenschaften in Nordkorea durchziehen können, oder zumindest einem Land das nicht mit der USA kooperiert bei Strafsachen. Okay diese muss man eigentlich mit der Lupe suchen....

  • sehe ich genauso...

    ausserdem...wenn die deutsche justiz nicht so nachsichtig mit herrn schmitz umgegangen wäre, dann hätte er schon früher seine lektion gelernt. man kann sich freuen, dass sich die amis dieser sache angenommen haben und er jetzt mit konsequenzen rechnen muss.
    vg

  • Sehe ich auch so! Wer in der Welt zieht solche Dinge durch? Einfach wooow ... und Respekt. Wenn man diese Energie konstruktiv einsetzen würde, könnte man eine Menge positiver Dinge erreichen. Mit weltweit guten Auswirkungen!

  • Jaja, klar geschieht ihnen allen Recht, den Opfern und Deppen...
    Dieser verächtliche Grundton scheint ja mittlerweile dem Zeitgeist zu entsprechen...
    Der Ehrliche ist der Dumme, und der dreiste Aufschneider und Betrüger wird als Held gefeiert. Schmitz ist somit auch nur ein Ausdruck der Guttenbergisierung der Gesellschaft.
    Vor allem ihm geschieht es Recht, dem nicht mal sehr talentierten Herrn Schmitz, dem arrgoganten Aufschneider, Anlagebetrüger, Verräter und Denunzianten, wenn man denn den Aussagen im Artikel Glauben schenken mag - und ich habe keine Zweifel daran, dass die Aussagen zutreffen.
    So möge er im Knast wieder ein paar Kilos abspecken, dies täte ihm gut! Bloß nicht wieder nach Deutschland lassen...

  • @Paul: Verstehe was Du meinst. Man muss sich nur die Nummernschilder ansehen (Flickr Link im Artikel).

    Er scheint eine Vorliebe für AMG gehabt zu haben. Der Mini ist vermutlich aus Versehen auf dem Abschlepper gelandet und eigentlich vom Gärtner ...

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