Schillernde Dotcom-Figur Der Sturz des „Kimperiums“

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„Gegen alles, was es an Werten gab in der Szene verstoßen“
Kim Schmitz bei seiner Festnahme in Neuseeland. Quelle: dpa

Kim Schmitz bei seiner Festnahme in Neuseeland.

(Foto: dpa)

In der Mailbox-Szene erweckt Schmitz allerdings schnell Misstrauen. „Er ist damals sehr massiv in den Bereich der illegalen Warez-Szene gedrängt – und überall, wo er auftauchte, stand kurze Zeit später die Polizei vor der Tür“, so Insider Sobiraj. Er vermutet, dass Schmitz damals seine Mitstreiter verraten hat. „Vermutlich wollte er Konkurrenten los zu werden“. Die Liste seiner eigenen Kunden landet bei dem berüchtigten Abmahnanwalt Günther Freiherr von Gravenreuth, berichten mehrere ehemalige Mitglieder der Szene übereinstimmend. In der Folge gab es Hausdurchsuchungen bei den Betroffenen.

Der Chaos Computer Club verhängt in den 90er Jahren ein Hausverbot für Schmitz, zu den Kongressen darf der selbsternannte Hacker nicht mehr erscheinen. „Der CCC hatte als Ideal schon immer die Verbreitung von Wissen gehabt“, so CCC-Sprecher Andreas Bogk. „Kim Schmitz hat sich dadurch hervorgetan, dass er als einer der ersten, aus dem Tausch von Dateien ein Geschäft machen wollte. Er hat gegen alles, was es damals an Werten gab in der Szene, verstoßen.“

Schmitz will das große Rad drehen

Der aufziehende Dotcom-Boom fasziniert den ehrgeizigen Schmitz. Die Data Protect Consulting GmbH, seine erste Firmengründung, meldet schon 2001 Insolvenz an. Das alles hält Schmitz nicht davon ab, ein Leben in Saus und Braus zu führen – oder zumindest so zu tun. Auf seiner Website Kimble.org stellt er damals mittels zahlreichen Fotos sein Luxus-Leben zur Schau – mit allem, was für Schmitz dazu gehört: Luxus-Hotels, leicht bekleideten Frauen, Helikopter und Reisen nach Kuba, Hong Kong oder Japan. Die Inszenierung ist wahrscheinlich mehr Schein als Sein. „Einen Helikopter für 15 Minuten für ein Foto zu mieten und einen Aufkleber darauf zu kleben – das sind Dinge, die er gerne macht. Und das kostet auch nicht viel“, sagt Sen über Schmitz. Außerdem habe er beispielsweise Fotografen ihr Honorar nicht gezahlt.

Nach den Anschlägen vom 11. September 2011 wittert Schmitz erneut eine Chance, sich in die Medien als Hacker zu inszenieren. In „Uncle-Sam“-Pose ruft er auf seiner Website zum Hacker-Krieg gegen den Terror auf, die von ihm gegründete Organisation Young Intelligent Hackers Against Terrorism (Yihat) soll Osama bin Laden zur Strecke bringen. Angeblich, so behauptet Schmitz damals wahrheitswidrig, arbeite Yihat sogar mit dem FBI zusammen. Die Szene lacht – und reagiert: seine Website Kimble.org wird kurz darauf gehackt. Der „Hacker“ Kim Schmitz hatte vergessen, die Webserver-Software auf den aktuellen Stand zu bringen. Erfolge kann Yihat nie vermelden.

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11 Kommentare zu "Kim Schmitz: Der Sturz des „Kimperiums“"

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  • ^^ sehr nice ...

  • Bei Flickr fehlen die Bilder, wie der Typ mit dem Tieflader abtransportiert wird.

  • eigentlich bin ich ja gegen die Todesstrafe.

  • Venezuela, Kuba oder Russland wären als Standort ideal gewesen. Iran ist vielleicht ein bisschen zu konservativ für Kims Lebensstil.

  • So einer kommt "nur" zu so einer glorreichen "Karriere". Könner brauchen keine Tricks und keinen Betrug, die schaffen es weil sie GUT sind. So einer blendet nur die Mittelmäßigen und von denen gibt es immer mehr als die Hälfte. Bei solchen Leuten von Respekt zu reden, zeigt wo noch Pampers getragen werden.

  • Das ist schon eine bizarre Geschichte. Man muss sagen das es von KS letztendlich dumm war sich in Neuseeland niederzulassen, einem Land das mit der USA kooperiert. Am sichersten hätte er seine Machenschaften in Nordkorea durchziehen können, oder zumindest einem Land das nicht mit der USA kooperiert bei Strafsachen. Okay diese muss man eigentlich mit der Lupe suchen....

  • sehe ich genauso...

    ausserdem...wenn die deutsche justiz nicht so nachsichtig mit herrn schmitz umgegangen wäre, dann hätte er schon früher seine lektion gelernt. man kann sich freuen, dass sich die amis dieser sache angenommen haben und er jetzt mit konsequenzen rechnen muss.
    vg

  • Sehe ich auch so! Wer in der Welt zieht solche Dinge durch? Einfach wooow ... und Respekt. Wenn man diese Energie konstruktiv einsetzen würde, könnte man eine Menge positiver Dinge erreichen. Mit weltweit guten Auswirkungen!

  • Jaja, klar geschieht ihnen allen Recht, den Opfern und Deppen...
    Dieser verächtliche Grundton scheint ja mittlerweile dem Zeitgeist zu entsprechen...
    Der Ehrliche ist der Dumme, und der dreiste Aufschneider und Betrüger wird als Held gefeiert. Schmitz ist somit auch nur ein Ausdruck der Guttenbergisierung der Gesellschaft.
    Vor allem ihm geschieht es Recht, dem nicht mal sehr talentierten Herrn Schmitz, dem arrgoganten Aufschneider, Anlagebetrüger, Verräter und Denunzianten, wenn man denn den Aussagen im Artikel Glauben schenken mag - und ich habe keine Zweifel daran, dass die Aussagen zutreffen.
    So möge er im Knast wieder ein paar Kilos abspecken, dies täte ihm gut! Bloß nicht wieder nach Deutschland lassen...

  • @Paul: Verstehe was Du meinst. Man muss sich nur die Nummernschilder ansehen (Flickr Link im Artikel).

    Er scheint eine Vorliebe für AMG gehabt zu haben. Der Mini ist vermutlich aus Versehen auf dem Abschlepper gelandet und eigentlich vom Gärtner ...

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