Klar fokussierte Communities greifen Myspace an
Mit Fotos lässt sich im Internet Geld machen

Paid Content funktioniert nicht? Weit gefehlt. Im Internet verkaufte Inhalte stehen nach einer Einschätzung von Bruce Livingstone, Chef des kanadischen Fotoportal-Betreibers iStock International vor einem großen Durchbruch. Der Grund: In klar fokussierten Online-Communitys wächst das Geschäft mit Bezahlinhalten.

STUTTGART. Von Nutzern eingestellte Inhalte lassen sich immer besser verkaufen. Davon profitieren die Anbieter und die Mitglieder - zum Beispiel bei Digitalfotos. Allgemeine Communitys hingegen, die ohne genauen Interessensfokus eine große Nutzerschaft vereinen, sind nach Einschätzung Livingstones Modeerscheinungen, die permanent Gefahr laufen, wieder außer Mode zu geraten. "Eine auch zahlenmäßig große Community aufzubauen ist heute keine Kunst mehr", sagt Livingstone im Gespräch mit Handelsblatt.com, "aber nachhaltig kann sie nur existieren, wenn die Mitglieder ein gemeinsames Interesse verbindet." Die Betreiber müssten zudem authentisch sein und aktiv in die Online-Gemeinschaft eingebunden bleiben. Erfolg habe demnach langfristig der, der in einem offenen Dialog die Nutzer an der Weiterentwicklung der Plattform einbezieht und beteiligt.

Bruce Livingstone gründete iStockphoto.com im Jahr 2000 mit Hilfe von Venture Capital und hat inzwischen eine Community von rund einer Million Mitglieder, die online Fotos für Preise zwischen einem und 40 Dollar kaufen oder tauschen. Rund 50 000 Mitglieder bieten ihre Fotos kostenpflichtig zum Verkauf an. Neben Webdesignern und Freiberuflern gehören auch Non-Profit-Organisationen, Geschäftsleute und Privatpersonen zum Kundenkreis. iStockphoto steht in Konkurrenz zu den Online-Portalen Dreamstime.com und Canstockphoto.com. Diese gelten ebenfalls als populäre Internetsites, wo Nutzer ihre Bilder gewinnbringend an den Mann bringen können.

Livingstone spricht mit seinen Äußerungen den aktuell höchst erfolgreichen Portalen wie beispielsweise Myspace.com dauerhaft eine Existenzberechtigung ab. Auf Myspace tummeln sich derzeit mehr als 114 Millionen meist junger Leute, stellen Texte, Bilder und Videos ein und tauschen diese mit Gleichgesinnten. Diese Art von Portalen sei zu breit aufgestellt - somit zu wenig fokussiert, meint Livingstone. Außerdem dürfe die Online-Community niemals das Gefühl bekommen, es gehe den Betreibern ausschließlich darum, das Unternehmen gewinnbringend zu betreiben oder zu verkaufen. Dann drohten dem Betreiber an irgend einem Punkt Massenabwanderungen zu einem neueren, hippen Portal.

Je größer die Community wird, desto wichtiger ist ein klarer Fokus

Dass dieses Szenario nicht unwahrscheinlich ist, zeigte die Community Friendster. Deren Mitgliederzahl halbierte sich nach einem Mitgliederansturm auf rund zwanzig Millionen Nutzer in den Jahren 2003 bis 2005 wieder auf zehn Millionen.

Problematisch bei dem Portal Myspace, das Medienmogul Rupert Murdoch im vergangenen Jahr für 580 Millionen Dollar gekauft hatte und aktuell intensiv vermarktet wird, sei vor allem ein zu einheitlicher Funktionsumfang für die unterschiedlichen Mitgliedergruppen - also für die Hausfrau ebenso wie für den Manager oder den Teenager. Myspace.com refinanziert sich über zielgerichtete Werbung.

iStock geht andere Wege. Livingstone sieht die Zukunft kommerzieller Communitys besonders in einem auf die einzelnen Gruppen abgestimmten Funktions-Set. So bietet er in seiner Fotocommunity den Fotografen andere Funktionen an als beispielsweise Illustratoren oder Bildredakteuren. "Außerdem leben wir in der Community und machen Mitglieder-Veranstaltungen wie beispielsweise Fotoshootings und Ausstellungen."

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