„Klassische PIN/TAN-Verfahren haben ihre Grenzen“
Fachleute wollen Online-Banking sicherer machen

Die in Deutschland zunehmend beliebten Bankgeschäfte per Internet sind nach Meinung von Fachleuten oft noch zu wenig vor kriminellen Machenschaften geschützt.

dpa FRANKFURT. „Die klassischen PIN/TAN-Verfahren beim Online-Banking haben alle ihre Grenzen“, sagte der Sicherheitsexperte des IT-Dienstleisters GAD, Reinhold Pieper, der Deutschen Presse-Agentur dpa anlässlich einer Fachveranstaltung am Dienstag in Frankfurt. Ziel der Computerfachleute ist es, die klassischen Verfahren mit Geheimnummer (PIN) und sechsstelliger Transaktionsnummer (TAN) zu verbessern.

Die GAD, die Software für 470 Volks- und Raiffeisenbanken entwickelt, favorisiert die elektronische Signatur. „Jede Veränderung der Transaktionsdaten ist dabei für den Empfänger erkennbar“, erläuterte Pieper. Allerdings brauchen Nutzer für diese Art von elektronischen Bankgeschäften nicht nur eine mit einer Verschlüsselung ausgestattete Plastikkarte, sondern auch ein spezielles Kartenlesegerät am heimischen Computer. „Das ist natürlich ein Kostenfaktor“, sagte Pieper. Je nach Ausstattung koste ein solches Gerät zehn bis 40 Euro. „Es sollten Modelle gefunden werden, in denen diese Kosten teilweise von den Banken finanziert werden.“

Zwar kommt es in Deutschland nach Angaben von Banken und IT-Experten wesentlich seltener als in anderen Ländern vor, dass Kriminelle die Online-Daten ausspionieren und Gelder auf ihre Konten umleiten. Doch viele Institute investieren in mehr Sicherheit beim Online-Banking, weil sie das Internet für ihre Kunden attraktiv machen wollen: Überweisungen via Web sind für die Banken wesentlich günstiger als Personal am Schalter zu beschäftigen oder Automaten aufzustellen.

Der Bochumer Jurist Prof. Georg Borges, der sich mit Identitätsschutz im Internet beschäftigt, wertet modernere Sicherheitssysteme als Chance gegen Kriminelle. Er mahnte aber am Dienstag zugleich: „Im Schadensfall hat der Kunde das größere Problem darzulegen, dass ihn keine Schuld trifft.“

Genaue Zahlen zu Schadensfällen nennen allerdings weder die Banken und noch ihre Branchenverbände. Es sei aber ein „Anwachsen der Schadensfälle zu beobachten“, sagte GAD-Fachmann Pieper. In der Branche heißt es, würden Umsätze und Schäden in Relation gebracht, sei Online-Banking für die Anwender vergleichsweise sicher. „Es gibt kein absolut sicheres Bezahlverfahren - auch Schecks können gefälscht und Automaten manipuliert sein“, betont ein Software-Experte.

Nach Angaben des Bundesverbandes deutscher Banken nutzt in Deutschland inzwischen jeder dritte Verbraucher ab 18 Jahre Online- Banking. Die IT-Branche erwartet eine Steigerung in diesem Jahr: Die Zahl der Nutzer dürfte nach Einschätzung des Bundesverbandes Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom) auf mindestens 21 Mill. steigen. Im vergangenen Jahr hatten laut Bitkom 20 Millionen Menschen im Alter von 16 bis 74 Jahren ein Online-Konto. Allerdings liegt Deutschland mit einem Online-Banking-Anteil von gut einem Drittel unter den 16- bis 74-Jährigen in Europa nur im Mittelfeld. In den Niederlanden etwa sind es 59 Prozent.

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