Klimawandel
Google verärgert über eine Kanne Tee

Wie schädlich ist eine Google-Suche für das Weltklima? Ein US-Wissenschaftler hat den Treibhausgas-Ausstoß für eine durchschnittliche Suchanfrage berechnet - und damit den Suchmaschinengiganten gegen sich aufgebracht.
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HB DÜSSELDORF. Zweimal googeln gleich eine Kanne Tee - mit dieser Gleichung hat der US-Physiker Alex Wissner-Gross den Suchmaschinengiganten gegen sich aufgebracht. Der Wissenschaftler der Harvard University hat berechnet, wie viel klimaschädliches Kohlendioxid (CO2) bei einer normalen Google-Suche freigesetzt wird. Seine Werte werden allerdings von dem Unternehmen selbst in Zweifel gezogen.

Laut Wissner-Gross produziert eine Google-Suche sieben Gramm des Treibhausgases - etwa die Hälfte dessen, was ein Teefreund beim Aufbrühen einer Kanne seines Lieblingsgetränks freisetzt. Das hört sich nach wenig an, summiert sich aber angesichts von einigen hundert Millionen Suchanfragen täglich auf mehr als 1000 Tonnen Kohlendioxid pro Tag.

Dabei berechnete der Physiker sowohl den Stromverbrauch des Rechners, von dem die Suchanfrage ausgeht, wie auch den Energiebedarf der Google-Rechenzentren. Letzterer sei bei Google zudem größer als bei anderen Suchmaschinen, verriet Wissner-Gross der BBC - der Preis für die Geschwindigkeit, mit der die Suchmaschine ihre Ergebnisse liefere.

Verständlich, dass sich die Google-Verantwortlichen von solchen Zahlen wenig erbaut zeigen. Hat doch der Suchmaschinengigant in den vergangenen Jahren viel Geld investiert, um sich ein grünes Image zuzulegen. Unter anderem über die Stiftung Google.org flossen Millionen in die Erforschung von alternativen Energien - laut Google rund 45 Millionen US-Dollar allein im Jahr 2008.

In einer Stellungnahme setzt das Unternehmen den Berechnungen von Wissner-Gross nun eigene Zahlen entgegen. Ohne den Physiker namentlich zu nennen, werden seine Ergebnisse als "um ein Vielfaches zu hoch" bezeichnet.

Laut Google verbraucht eine durchschnittliche Suchanfrage rund 0,0003 Kilowattstunden Energie und produziert dabei 0,2 Gramm Kohlendioxid. Diesen Werten setzt Google seine Bemühungen zur Verbesserung der Energieeffizienz entgegen. Allein mit der 2007 ins Lebens gerufenen "Climate Savers Computing Initiative" solle der Energieverbrauch durch Computer bis 2010 halbiert werden - was die globalen CO2-Emissionen um 54 Millionen Tonnen pro Jahr reduziere. Ein Wert, der, so Google, "einer ganzen Menge Teekessel" entspricht.

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