Kommentar
Augenfutter von Apple

Apple-Chef Steve Jobs will weiter mit dem Pfund wuchern, das er mit dem iPod in der Hand hält. Der schicke Musikplayer hat längst Kultstatus erreicht und spült einen erheblichen Umsatzanteil in die Kassen des Computerpioniers aus dem Silicon Valley.

MÜNCHEN. Einer Agenturmeldung zufolge tragen allein in den USA etwa 70 Prozent aller Musikplayer das Logo mit dem Apfel. Über zehn Millionen Kunden hätten bis dato zudem mehr als 500 Millionen Songs legal über den zu Apple gehörenden Dienst iTunes aus dem Internet heruntergeladen. Das entspricht einem Marktanteil von 80 Prozent. Dem Vermarktungsguru Steve Jobs ist es damit gelungen, ein solides zweites Standbein für Apple aufzubauen. Einzelne Industriebeobachter sehen angesichts des Erfolges des iPods in dem Pionier aus dem kalifornischen Cupertino schon heute eher einen Medienkonzern als einen Computerhersteller.

So liegt es auf der Hand, dass Jobs den iPod nun auch als mobiles Gerät für den Videomarkt aufbauen und etablieren will. Fachleute rechnen für dieses Marktsegment mit ähnlichen Umwälzungen wie im Musikgeschäft. Vor diesem Hintergrund hat Jobs am vergangenen Mittwoch einen neuen iPod vorgestellt, der auch Videos abspielen kann. Der größte Unterschied zu den bisherigen Geräten: Nun werden Festplatten mit 30 oder 60 Gigabyte angeboten, auf denen 75 oder 150 Stunden Film bei einer Auflösung von 320 x 240 Bildpunkten abgespeichert werden können. Das ist Futter für unsere Augen – und zwar in doppeltem Sinn!

Zunächst einmal im negativen Sinn. Wer will TV-Filme auf einem Bildschirm von der Größe einer Streichholzschachtel (Diagonale etwa 6,3 cm) anschauen. Dieses Problem kennen wir bereits von den UMTS-Handys, deren kleiner Bildschirm sich zwar ganz gut für visuelle Zusatzinformationen wie etwa Umgebungskarten eignet, nicht aber für das Anschauen von TV-Filmen, obwohl das übertragungstechnisch möglich ist. Das Angebot solcher Inhalte ist aber Teil des Vermarktungsplans, den Jobs mit dem neuen Disney-Chef Robert Iger bei der Vorstellung des neuen Gerätes verkündet haben. Das ist etwa von den TV-Serien „Desperate Housewives“ und „Lost“ aus dem Angebot des Disney-Senders ABC die Rede, die für 1,99 Dollar pro Sendung auf den neuen iPod geladen werden können. Wollen das die Kunden? In den USA vielleicht, denn dort läuft in vielen Haushalten das Fernsehgerät den ganzen Tag. Es bleibt aber fraglich. Bessere Chancen dürften Musikvideos als Augenfutter für jüngere Verbraucher der MTV- und Viva-Generation haben.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%