Kommentar
Microsoft öffnet sich in kleinen Schritten

Microsoft will Entwicklern und Programmierern sein Betriebssystem "Windows Embedded CE" ab sofort komplett offen legen. Auf den ersten Blick ist diese Ankündigung von 1. November nur etwas für IT-Techniker. Doch beim genaueren hinsehen wird die geschäftliche Bedeutung des Vorgehens deutlich.

HB MÜNCHEN. Das mächtige Softwarehaus aus Redmond sieht sich offensichtlich gezwungen, sich einerseits dem Trend zu "offener" Software nicht völlig zu verschließen. Andererseits muss Microsoft sein Betriebssystem für Verbrauchergeräte wirkungsvoller in einem stark wachsenden Markt etablieren.

Schon der neue Name beweist das. Die Software heißt nun Windows embedded CE 6.0. Dabei steht CE für Consumer Electronic (Unterhaltungs- und Verbraucherelektronik). Der Ausdruck "embedded" - zu deutsch eingebettet - deutet darauf hin, dass es sich um einen Typ von Betriebssystemen, die, anders als bei Personalcomputern, in elektronischen Geräten praktisch für den Anwender unsichtbar eingebettet sind.

Besondere Anwendungsfelder für derartige Software sind in der jüngsten Zeit vor allem Geräte der Unterhaltungs- und Verbraucherelektronik. Mit der Ankündigung gewährt Microsoft den Gerätehersteller von Settop-Boxen, Navigationssystemen oder DVD-Playern den Zugriff auf den Quellcode der neuen Softwareversion. Darauf aufbauend können sie dann schneller eigene Entwicklungen erstellen, sagt Microsoft. Anders als beim GLP-Modell der Open-Source-Software sollen die jeweiligen Weiterentwicklungen Firmeneigentum der Kunden bleiben. Microsoft verstärkt mit diesem Angebot sein Modell des "Shared Source", des geteilten Quellcodes.

Mit der Ankündigung vom 1. November hat Microsoft somit den gesamten Quellcode seines Softwarekerns für Unterhaltungselektronik freigelegt. Nach Beobachtungen von Fachleuten war dies bei der Vorgängerversion nur mit 44 Prozent der Fall. Diese völlige Öffnung des CE-Kerns muss als Zeichen dafür gesehen werden dass Microsoft sich zumindest bemüht, in der Zukunft zweigleisig zu fahren. Dies geschieht natürlich nicht freiwillig, sondern unter einem gewissen Marktzwang. Es ist Microsoft bisher nicht gelungen, dieses breite Feld der "eingebetteten Echtzeitsysteme" in dem Maße zu erobern, in dem man das bisher gewohnt war. Doch der gesamte Bereich Unterhaltungs- und Verbraucherelektronik ist ein wachsendes Feld, indem man seinen Claim abstecken und behaupten muss. Dort sind derzeit vor allem "embedded Linux" und spezielle "embedded Echtzeitsysteme" kleinerer Firmen zu Hause.

Fachleute sind jedoch sicher, dass das Softwarehaus aus Redmond andere wichtige Softwarepakete wie das Betriebssystem Windows für PCs und Server, das Büropaket Office oder den Internet Explorer auf absehbare Zeit nicht als "Open Source" öffnen wird. Das hätte einen tiefen Sturz der Microsoft-Aktie zur folge.

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