Kommentar zum IT-Gipfel
Langer Schatten des Silicon Valley

Heute treffen sich Politik und Wirtschaft wieder einmal zum IT-Gipfel. Das ganze findet nun schon zum sechsten Mal statt - doch noch immer gilt Deutschland als IT-Wüste.
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Am 12. Dezember 2006 haben sich in Potsdam Politiker, Manager und Wissenschaftler zum ersten nationalen IT-Gipfel getroffen. Da war Facebook gerade einmal zwei Jahre alt und noch weitgehend unbekannt. Heute trifft sich die Runde nun schon zum sechsten Mal, dieses Jahr in München. Inzwischen ist Facebook sieben Jahre alt und zählt mehr als 800 Millionen Nutzer rund um die Erde.

Was Facebook mit dem deutschen IT-Gipfel zu tun hat? Die hochrangige Zusammenkunft sollte der IT-Branche hierzulande einen Schub geben, sollte die öffentliche Verwaltung auf diesem Gebiet voranbringen, kurz, Deutschland zum Musterland in Sachen Informationstechnik machen. Doch das Ergebnis ist mager. Viele Firmenlenker empfinden die Veranstaltung inzwischen eher als lästige Pflicht denn als Chance für ihre Industrie. Noch immer entstehen die erfolgreichsten und populärsten IT-Unternehmen der Welt im Silicon Valley. Dort ist Facebook groß geworden, dort hat der Suchmaschinengigant Google genauso seine Wurzeln wie der Softwareanbieter Oracle und Chip-Weltmarktführer Intel. Es ist kein Zufall, dass auch Apple, der Erschaffer von iPhone und iPad, in dem trockenen Landstrich bei San Francisco sitzt.

In Deutschland ist hingegen seit der Gründung von SAP vor fast 40 Jahren kein einziger IT-Konzern von Weltrang mehr entstanden. Im Gegenteil, Firmen wie Siemens haben sich aus dem IT-Geschäft wegen andauernder Erfolglosigkeit sogar zurückgezogen. Doch das ist noch nicht alles. Deutschland hinkt auch in der IT-Nutzung anderen Ländern zum Teil meilenweit hinterher. Das hat viel damit zu tun, dass die Menschen viele neue Techniken zunächst einmal eher skeptisch sehen. Um die elektronische Gesundheitskarte wurde deshalb jahrelang erbittert gestritten, obwohl ähnliche Systeme anderswo längst üblich sind. Und während die Kunden in Südkorea schon lange mit dem Handy im Supermarkt bezahlen, ziehen die meisten Deutschen noch immer am liebsten Geldscheine aus dem Portemonnaie. Als ob das sicherer und bequemer wäre.

Zugegeben, es gibt hierzulande Tausende Mittelständler, die hervorragende IT-Lösungen anbieten und in ihren Nischen führend sind. Doch amerikanische Wagniskapitalgeber beklagen sich regelmäßig, dass in vielen Fällen die Gründer nicht bereit sind, Investoren an Bord zu nehmen, um das Geschäft global auszubauen. Jungunternehmer aus dem Silicon Valley wie Facebook-Erfinder Mark Zuckerberg hingegen haben von Anfang an nichts anderes im Sinn, als zu wachsen. Der 27-Jährige hat dazu mehr als zwei Milliarden Dollar bei Investoren eingesammelt.

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